Hemolele

Chronik 1: Keilerei zum Frühstück

Bendeluum, eine Straße, 5 VSY

Gemächlich bewegte Lani ihren 74-Y Düsenschlitten durch die Straßen Bendeluums. Es war später Nachmittag, beinahe schon Abend, aber die Sonne stand noch relativ hoch am Himmel und es würde noch einige Zeit dauern, bis sich die beiden Monde des Planeten über den Horizont schieben würden.

Innerlich kicherte Lani. Bendeluum. Hauptstadt des Planeten … Bendeluum. Irgendwie komisch. Auf der anderen Seite – warum nicht? Nirgends stand geschrieben, dass die Hauptstadt eines Planeten einen anderen Namen als dieser tragen sollte.

In Bendeluum – der Stadt – war am frühen Abend doch einiges los. Menschen und menschenähnliche Gestalten bewegten sich zu Fuß durch die Straßen, etliche Gleiter oder Düsenschlitten waren ebenfalls unterwegs. Es war unübersichtlich, aber nicht überfüllt. Im Prinzip also genau richtig. Man fiel in der Menge nicht auf, man konnte in ihr untertauchen, falls das notwendig war – aber man konnte sich auch flugs in Sicherheit bringen, wenn dieses notwendig wurde.

Sie parkte ihren Schlitten vor dem Eingang zu einer Kneipe. Das Schild über ihrem Eingang wies sie als “Bendeluums Gold” aus, was immer das sein mochte. Etwas zu trinken?

Taverne “Bendeluums Gold”

Lani betrat einen Vorraum, der sich zum eigentlichen Schankraum hin öffnete. Sie klopfte sich den Staub der Straße von der Kleidung, schob ihr schulterlanges, weißblondes Haar nach hinten und warf einen Blick in den Raum.

Eine Kneipe, allerdings. Aber eine der etwas besseren Sorte. Die hochgewachsene, schlanke Frau trat einen Schritt in den Raum und ließ ihre Blicke schweifen. Die Kontaktperson war noch nicht angekommen, so schien es, oder derjenige hatte sich gut versteckt. Jedenfalls entsprach niemand der Beschreibung, die sie erhalten hatte und ein Getränk mit einem Strohhalm, an dem ein Schmetterling prangte – ein gelber – sah sie auch nicht.

Sie hatte den Kopf geschüttelt, als ihr das mit dem Schmetterling mitgeteilt worden war. Nun aber wurde ihr klar, dass Zierrat jeglicher Art an den Gläsern hier gang und gäbe war.

Jetzt begann ihr Teil des Spiels. Sie schlenderte an die Bar und wechselte ein paar Worte mit dem Mann dahinter. Rundlich, von normaler Größe, Dreitagebart, wenig Haupthaar. Bunte Kleidung, die aber nicht schreiend wirkte, sondern irgendwie tatsächlich zusammenpasste.

eine Nische

Lani nahm in einer Nische Platz, von der aus sie den Ausgang erkennen konnte. Und ebenfalls einen Blick auf eine Tür hatte, die laut ihren Informationen ins Büro führte und von dort aus durch eine kleine Tür ebenfalls einen Durchgang auf die Straße hatte. Eine Fluchtmöglichkeit. Das Büro war nicht weit von ihrer Nische entfernt.

Ein Droide schwebte herbei, so ein kleiner, rundlicher, der keine Beine, dafür aber zwei Arme hatte. Er setzte ihren Drink vor ihr ab. Wie vereinbart: Ein grünes Getränk, ein grünes stilisiertes Raumschiff am Strohhalm. Sie wusste nicht, was der Kontaktperson noch beschrieben worden war, sicherlich hatte er noch weitere Informationen erhalten, was sie betraf. Schließlich mochte in “Bendeluums Gold” auch noch ein weiterer Mensch genau diesen Drink bestellen.

Lani lehnte sich zurück, die Beine über Kreuz von sich gestreckt, ihre Hand spielte unbewusst mit dem Strohhalm. Sie probierte den Drink und war angetan von seinem Geschmack. Er war stark – vermutlich würde ein normaler Mensch davon relativ bald angetrunken sein. Sie nicht. Ein kurzes, fröhliches Grinsen huschte über ihr Gesicht.

Sie wartete.

Bendeluum, eine Straße

Koamalu schlenderte über eine Straße, wie er sie im Outer Rim schon oft gesehen hatte. Im Moment hatte er nichts zu tun. Die Ladecrew der Hemolele hatte ihren Dienst getan, jetzt war es an den Nothoiin, die von ihm unauffällig abgelieferte Fracht weiter zu verschiffen. In diesem

Fall wollte er es auch gar nicht wesentlich genauer wissen; mit Varaan hatte er schon lange eine gute Handelsbeziehung, und das sollte auch so bleiben.

Was in den nächsten Tagen kommen würde, dürfte für erheblich mehr Adrenalin in seinem Blutkreislauf sorgen. Sein Rebellenkontakt hatte ihn gebeten, eine verdeckte Einsatzgruppe mit einer gehörigen Ladung Nachschub nach Jiroch-Reslia zu verschiffen. Was nicht ganz einfach werden dürfte. Die Patrouillen des Imperiums waren dort durchaus als dicht zu bezeichnen.

Na, er und sein guter alter Kahn würden das schon überstehen, dessen war Koamalu sich sicher. Jetzt, so sagte er sich, würde er erst mal einen Trinken. Mit diesem Vorsatz betrat er die nächstbeste Bar, ging schnurstracks zur Bar und orderte sich einen hiesigen Drink, dessen Farbzusammenspiel in gutem Kontrast zum knallbunten Outfit des Barkeepers passte.

Taverne “Bendeluums Gold”, Bar

Lässig lehnte er in der für ihn geringen Schwerkraft an der Bar und genoss das Treiben um ihn herum. Sein kurzes, vollkommen weißes Haar bildete einen deutlichen Kontrast zur dunklen Schenke, kaum zu übersehen für jemanden, der wusste, woran er einen Akoni erkennen konnte.

eine Nische

Lani neigte sich mit zusammengekniffenen Augen nach vorne, den Drink in der Hand, den sie gerade hatte zum Mund führen wollen. Dieser Mann … als er die Kneipe betrat, hatte seine geschmeidig-kraftvolle Bewegung spontane Erinnerungen hervorgerufen. Beinahe schon ein Flashback.

Aber konnte das tatsächlich sein? Das Universum war so groß – warum sollten sich zwei Menschen ausgerechnet hier wieder treffen?

Auf der anderen Seite – warum nicht?

Sie lehnte sich wieder zurück, aber entspannt war ihre Körperhaltung nicht mehr. Eher wirkte sie nun wie eine zum Sprung bereite Katze. Lani begann zu pfeifen, ein traditionelles akonisches Kinderlied. Sie war bereit, ihm mit ihrem Glas zuzuprosten. Und wenn er es nicht war, dann war sie eben so verrückt, in einer Bar zu pfeifen. Wer scherte sich schon darum?

Bar

Koamalus Kopf ruckte abrupt in die Richtung der Melodie, die sich nur schwer vom Lärmteppich dieser Kneipe abhob. Eine markante Melodie, mit der er aufgewachsen war und die er schon lange nicht mehr gehört hatte. Er brauche nicht lange, um das von weißblonden Haaren eingerahmte Gesicht zu finden, dem die Melodie entstammte.

Die beiden Blicke trafen sich und brauchten nur Sekunden, um sich wieder zu erkennen. Szenen aus Koamalus Jugend schossen vor seinem inneren Auge vorbei, während ein breites Grinsen sich auf sein Gesicht schlich.

Mit einer flotten Bewegung, beinahe zu kraftvoll in dieser für ihn geringen Schwerkraft, stand er auf und ging zu dem Tisch, an dem seine alte Bekannte saß.

Nische

“Lani Akamu, was bei allen Göttern dieser Galaxie führt Dich in diese entlegene Gegend, so weit von unserer Heimat entfernt?”

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht war Lani aufgesprungen, als sich der Mann tatsächlich als Koamalu Kahanamoku entpuppte. Dass dabei der Stuhl polternd umkippte, weil sie ihm einen zu starken Rumpler verpasst hatte, bemerkte sie gar nicht. Die Blicke einiger anderer Gäste wurden davon angezogen, aber als sie realisierten, dass eine großgewachsene Frau einen Mann spontan in ihre Arme zog und drückte, erlahmte ihr Interesse wieder.

“Koamalu Kahanamoku, wie großartig, Dich wiederzusehen!”, Lanis Hände lagen auf den Schultern des Mannes, der einen knappen Kopf größer als sie war – und sie war schon so groß wie jeder durchschnittliche menschliche Mann. “Und wie schön, endlich wieder jemanden drücken zu können und sich nicht darüber zu sorgen, dass ihm in der Umarmung die Luft wegbleibt!”, lachte sie frei heraus.

“Komm, setz Dich zu mir!”, forderte sie ihn auf, während sie sich ebenfalls wieder setzte und unbewusst einen Schluck aus ihrem Glas nahm. Als er eine bequeme Haltung im Stuhl neben ihr eingenommen hatte, neigte sie sich vornüber und betrachtete sein Gesicht genau. Ein spitzbübisches Lächeln glitzerte in ihren Augen. “Was mich hierher führt, möchtest Du wissen? Was für eine Frage – ich habe mich herumgetrieben. Wie immer also. Und du – was machst Du auf einem Planeten mit so einem komischen Namen?”, sie senkte ihre Stimme und fragte mit einem verschwörerischen Unterton, der aber ganz eindeutig spöttisch gemeint war: “Verschiffst Du gefährliches Treibgut?”

Koamalu grinste: “Nur, wenn dein Name nicht im Spiel ist. Ich führe jetzt ein ruhiges, gesittetes Leben an Bord meiner Hemolele. Was soll ich sagen, der alte Kahn ist mir ans Herz gewachsen. Du aber, so scheint es mir, hast Dich nicht im Geringsten verändert.” ‘Und das war auch gut so’, fügte er im Stillen hinzu. Lani an einem Schreibtisch über irgendwelchen Akten? Nein, das war schwer vorstellbar.

“Weißt Du noch”, fuhr Koamalu fort und die beiden Akoni begannen in Erinnerungen an vergangene, gemeinsame Zeiten zu schwelgen.

Bar

Unbemerkt von den beiden hatte sich ein beinahe auffällig unauffälliger Mensch an der Theke eingefunden, an dessen Glas ein gelber Schmetterling prangte. Nur geübte Augen erkannten unter seinem Mantel die Umrisse eines Blasters, während der Unbekannte mit zusammengekniffenen Augen die beiden Akoni in der Ecke beobachte. Außerirdische … womit hatte er das schon wieder verdient? Und warum hatte sein Kontaktmann nichts von dem zweiten Exemplar dieses Abschaums erzählt? Ein Bodyguard, so vermutete er. Nun, er würde auch mit Zweien fertig werden, sollte es nötig sein.

Nische, einige Zeit später

“… ich werde sein Gesicht nie vergessen!”, beendete Lani eine weitere Erinnerung, die sie beinahe noch breiter grinsen ließ als vorher. Koamalu stimmte in ihr Lachen mit ein und wieder steckten beide die Köpfe zusammen. “Ich könnte mir noch so ein grünes Getränk bestellen, das Zeug schmeckt wirklich gut!”, beschloss Lani, wobei sie mit einer Bewegung die Haare, die ihr ins Gesicht gefallen waren, hinters Ohr strich und daraufhin einem der Droiden winkte.

Dabei fiel ihr Blick auf einen Mann an der Theke und plötzlich war ihre gute Laune wie weggeblasen. Das Lachen blieb auf ihrem Gesicht, denn die letzten Jahre hatten ihre Schauspielkunst nahezu perfektioniert. Wem das nicht gelang, der überlebte nicht lang. Nur jemand, der sie gut kannte, würde der veränderte Ausdruck ihrer Augen auffallen.

Der rundliche Droide surrte heran, sie reichte ihm ihr geleertes Glas. “Bring mir bitte noch so ein grünes Ding!”, beauftragte sie ihn, ignorierte seine bestätigende Antwort und wandte sich wieder Koamalu zu, als wolle sie ihr unterbrochenes Gespräch fortführen.

Und sie musste mit ihm sprechen, so lange es noch ging. Der Mann an der Theke hatte ausgesehen, als wäre er kurz vor der Eruption. Er war wütend – und er gehörte nicht zu der Sorte Mensch, die sich die Mühe machte, diese Emotion zu verbergen.

Was die ganze Sache aber viel schlimmer machte als eine wütende Kontaktperson – sie kannte ihn. Nicht persönlich, aber vom Sehen. Und wo sie ihn das letzte Mal gesehen hatte – es war einige Jahre her – gefiel ihr nicht.

Es war eine gefährliche Aufgabe seinerzeit gewesen. Sie war ihr nur gelungen, weil sie hervorragende Informationen besessen hatte und bei den Imperialen ein absolut unbeschriebenes Blatt gewesen war. Niemand hatte sie vorher gesehen und sie war sich auch sicher, dass sie keiner wiedererkennen würde. Aber sie hatte “diesen” Mann in der Basis gesehen. In einer imperialen Basis. In vertraulichem Gespräch mit einem Großmoff.

Sie musste hier verschwinden.

“Koamalu, wie startbereit ist Dein Flitzer? Und wie bereit bist Du, unauffällig einer alten Freundin aus der Klemme zu helfen?”

Er zögerte nur kurz, denn der plötzliche Stimmungswandel war ihm nicht entgangen. Koamalu vertraute ihr weit genug, als dass er Fragen und Geschichten in diesem Fall auf später verschieben konnte. Den auffälligen Blick über die Schulter vermied er bewusst.

“Startbereit ist die alte Lady erst in ein paar Stunden, ich warte noch auf etwas … Treibgut”, er zwinkerte ihr verschwörerisch zu. “Den bereits beantragten Start zu verschieben würde ich, wenn es irgend geht, vermeiden. Aber vertrau mir, ich habe da ein paar Alternativen, sollte jemand allzu neugierig werden. Hast Du denn eine passende Transportgelegenheit zum Raumhafen? Ich bin zu Fuß hier…”

Lanis Augen gewannen wieder an Leuchtkraft. Das war wieder typisch für Koamalu. “Wo denkst Du hin.”, antwortete sie ihm lachend, während beide aufstanden. “Die ungekrönte Königin der rennfahrenden Unterwelt Iokua Akonis ohne tiefergelegten Gleiter?” Koamalu lachte und hielt ihr den Arm hin: “Wollen wir?”

Schnellen Schrittes verschwanden die beiden auf dem direkten Weg aus der Bar. Noch ehe der Unbekannte es ihnen gleichtun konnte, saßen die beiden bereits in Lanis 74-Y und rauschten in entgegengesetzter Richtung zum Raumhafen davon.

Raumhafen, Landefeld 4E, vor der Hemolele

Die Außenhülle der corellianischen CR90-Korvette leuchtete weiß in der Nachmittagssonne von Bendeluum, während die Ladecrew Lanis Gleiter in einer unauffälligen Ecke des Frachtraums verstaute.

Koamalu lächelte in sich hinein, denn sein Glück war einmal mehr bei ihm gewesen. In seiner Abwesenheit waren die “Passagiere” mit ihrer Fracht bereits eingetroffen, so dass es völlig unauffällig wäre, wenn er innerhalb der nächsten Stunde startete. Er wandte sich an Lani:

“Kein Mon Calamari Kreuzer, dafür aber mein eigenes Hab und Gut. Nicht das schnellste Schiff in der Galaxis, dafür aber zuverlässig. Mit ihr bin ich die letzten sechs Jahre durch dick und dünn gegangen. Na, was sagst Du?”

Grinsend zelebrierte Lani eine höfische Verbeugung, wie sie vor über hundert Jahren am Hofe Iokua Akonis gebräuchlich gewesen war. Mit ausgestelltem rückwärtigen Bein und wedelnder rechter Hand, das verstand sich von selbst.

“Ich bin gebührend beeindruckt, werter Herr Kahanamoku!”, lächelte sie, doch dann verschwand ein Teil ihres Schabernacks. “Nein wirklich, Koamalu, das ist ein großartiger Kahn. Und so vielseitig einsetzbar …”, ihre Stimme verlor sich. Mochte Koamalu diesen Satz doch interpretieren, wie er wollte.

Ernst blickte sie ihm ins Gesicht. “Ich danke Dir, dass Du mir aus dieser idiotischen Klemme hilfst. Lass uns an Bord gehen. Ich glaube, ich sollte Dir ein paar Dinge erklären.”

Drei Jahre später: Tatooine, Mos Eisley, Chalmuns Cantina, Sabacctisch

“Aber das nächste Mal zahlt einer von euch!”, rief Roger seinen Freunden gespielt empört hinterher, die sich fröhlich verabschiedeten und die Cantina verließen. Die Freude am Sabaccspiel, die der Alderaaner empfand, stand leider nicht im direkten Zusammenhang mit seinem Können. Es reichte zwar für den einen oder anderen Pott, wenn aber einmal ein Profi mit am Tisch saß, blieb er meist auf der Getränkerechnung sitzen.

Mit einem leichten Seufzen und Kopfschütteln lehnte sich der massige Glücksritter zurück. Er freute sich, in dieser rauen Gegend der Galaxis Freunde gefunden zu haben. Dies war umso bemerkenswerter, da er sie schon vor dem Fall des Imperiums gefunden hatte.

Der Imperator war tot, ein gutes Jahr mittlerweile, und die Allianz war langsam auf dem Weg, eine ordentliche Verfassung und Regierung auf die Beine zu stellen, die den Namen “Neue Galaktische Republik” verdiente. Das Restimperium existierte zwar noch, war aber auf dem stetigen Rückzug und auf ein Viertel seiner ursprünglichen Größe geschrumpft.

Gerne hätte er für sich beansprucht, Teil dieses Umbruchs gewesen zu sein, aber er hatte nie daran geglaubt, dass das Imperium fallen könnte. Er hatte seine Chance gehabt, aber nicht genutzt. So war es im Leben, man traf Entscheidungen und manche bedauerte man im Nachhinein.

Dennoch war er nicht unzufrieden. Er reiste quer durch den Outer Rim, mal als Söldner, mal als Schmuggler, mal als Kopfgeldjäger, mal als Teil einer Abenteurergruppe auf der Suche nach Schätzen. Er hatte den normalen Wahnsinn des wilden Teils der Galaxis kennen und lieben gelernt und vieles erlebt auf Welten, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hatte. Selten hatte er einen wirklichen Schatz gefunden, aber nach all den Erlebnissen, die ihn hier an den Rand zu den unbekannten Regionen gebracht hatte, hatte er sich selber gefunden.

Er stellte sich vor die Schwachen, wie er es schon Jahre zuvor bei und mit der Allianz hätte tun sollen. Er wurde zum Sheriff des Outer Rim, dem gesetzlosen Teil der Galaxis, den selbst das Imperium nicht zu bändigen vermochte.

Und gerade schien es wieder so, als ob seine Hilfe benötigt wurde.

Theke

Schweigsam stierte Kryss in seinen mit einer milchigen Flüssigkeit gefüllten Becher. Der hässliche Barkeeper hinter der Theke hatte es ihm als alderaanischen Whisky verkauft. Ein Witz vermutlich. Wenn das auch nur im entferntesten Whisky von Alderaan war, dann war er der größte Jedimeister in der weiten Galaxie. Aber eigentlich hätte er es wissen müssen. Für den läppisch niedrigen Betrag, der ihm abgeknöpft worden war, hätte niemand seine wertvollen Vorräte verscherbelt. Vielleicht hätte er einfach was Regionales bestellen sollen. Wobei, auch das konnte ins Auge gehen. Wenn er zurück an Hoth dachte und an den Selbstgebrannten, der unter den Technikern die Runde machte, da kam ihm gleich wieder der Mageninhalt des Tages hoch.

Damals war seine Vermutung gewesen, dass einfach Kühlflüssigkeit in Flaschen abgefüllt worden war. So geschmeckt hatte es zumindest. Doch wenn er jetzt rückblickend darüber nachdachte, dann musste er dem Gebräu wenigstens zugestehen, dass es den Körper von innen gewärmt hatte. Und das war auf Hoth ganz bestimmt nicht das Schlechteste gewesen.

Er nahm einen weiteren Schluck von dem Fusel, hauptsächlich, dass seine trockene Kehle was zu tun hatte und rieb sich seine müden Augen. Er unterdrückte ein Gähnen, streckte seinen fast 1,90 Meter großen Körper, dass die Knochen knackten und wuschelte sich durch die braunen, mittellangen Haare, um die Müdigkeit ein wenig abzuschütteln, die sich hier in diesem schummrig beleuchteten Etablissement wie eine wärmende Decke um ihn gelegt hatte. Und die liebliche Musik der anwesenden Band hatte ihres dazu getan. Ein aufheulendes Warnsignal ließ gefühlt alle Gespräche im Raum plötzlich verstummen und mehrere dutzend Augenpaare, gemeinsam mit seinen Braunen richteten sich auf die Eingangstür der Bar, wo zwei Männer in Technikeroveralls, begleitet von einem kleinen Wartungsdroiden, ertappt stehen geblieben waren.

„He! Die Sorte wird hier nicht bedient“, brüllte der Barkeeper den Neuankömmlingen entgegen und warf seinen fleckig aussehenden Putzlappen demonstrativ auf den Tresen, während er auf den Droiden zeigte. Kurz sah es so aus, als wollte er noch etwas Übleres hinzufügen, doch sein Blick schien den beiden Technikern Aufforderung genug zu sein. Sie nickten entschuldigend und trollten sich gemeinsam mit dem Droiden wieder nach draußen.

Direkt schwoll die übliche Geräuschkulisse im Raum auf ihr ursprüngliches Maß an und alle Anwesenden wandten sich wieder ihren Beschäftigungen zu. Auch Kryss konzentrierte sich wieder auf seinen Becher, schwenkte die Flüssigkeit langsam hin und her und überdachte seinen Plan, der ihn hier hin auf dieses staubige Etwas mit der Bezeichnung Planet geführt hatte.

Eigentlich hatte es nach einer guten Idee geklungen, schließlich war allgemein bekannt, dass sich hier auf Tatooine alles und jeder finden ließ und es nur eine kurze Frage der Zeit war, bis sich Job mäßig was für ihn ergab. Doch nun hing er hier schon ein paar Wochen in Mos Eisley herum und seine mickrigen Ersparnisse näherten sich der totalen Ebbe an. Etwas Brauchbares zu tun hatte sich jedoch nicht gefunden. Und über die unbrauchbaren Angebote wollte er lieber nicht nachdenken. Vermutlich waren die meisten Geschichten über Tatooine nichts weiter als übertriebenes Geschwätz gewesen und er war ihnen wie eine tesalonische Gibbsfliege auf den Leim gegangen. Leider änderte das nichts an seiner aktuellen Situation. Er brauchte Geld. Er brauchte einen Job. Verdammt, er musste von diesem glühend heißen Steinbrocken weg. Mit einem großen Schluck kippte er den Rest seines Getränkes herunter und wollte gerade von seinem Barhocker rutschen, als um ihn herum das Tollhaus ausbrach.

Lautes Gekreische und Tumult erklang, als die Musik jäh unterbrochen wurde. Der Grund hierfür waren scheinbar drei Menschen, die die Leadsängerin der Band von der Bühne zerren wollten. Die zierliche, hübsche Twi‘lek versuchte, sich zu wehren, aber gegen den stiernackigen Anführer der Gruppe hatte sie keine Chance. Die Musiker, allesamt Biths, wollten protestieren, aber die beiden anderen Männer hielten sie und die Menge mit ihren Blastern in Schach.

Roger blickte zur Theke, aber Chalmun selber war nicht da und die weiblichen Bedienungen blickten ihn schon bittend an. Dies war auch schließlich sein Job. Er war der Rausschmeißer. Eigentlich ganz gemütlich, verglichen mit der wahnwitzigen Schatzsuche, die er letzten Monat mit einer verrückten Crew in den unbekannten Regionen durchgeführt hatte.

Der Sheriff erhob sich zu seinen mehr als zwei Metern und pflügte durch die schnell größer werdende Menge der Schaulustigen. Seine Waffen ließ er in seinem bodenlangen braunen Mantel stecken, die Blaster der Rowdys ignorierend.

“Lasst die Frau los!”, rief Roger in einem tiefen Bariton in Basic über die Menge hinweg. Die Menge verstummte und begann, eine Gasse zu bilden. Der Sheriff ging unbeirrt auf die drei Männer zu, seine Zähne vor Wut fletschend, dass sein schwarzer Schnurrbart leicht höher wanderte, während seine schulterlangen ebenso dunklen Haare im Takt des braunen Mantels mitschwangen.

“Drei.”, rief Roger, der nun die volle Aufmerksamkeit der Cantina innehatte. Die Männer ließen verdutzt ihre Waffen sinken, ließen aber die Twi‘lek nicht frei. Der Sheriff hielt Kurs und fixierte dabei scheinbar nur die drei Störenfriede. Während er die Bar durchquerte, war er sich bewusst, dass in einer in der Nähe gelegenen Nische noch mehr von dieser Sorte standen.

“Zwei.”, bellte er nach kurzer Pause weiter, aber die Twi‘lek wurde weiter festgehalten. Aus der Erfahrung unzähliger Kneipenschlägereien wusste er, dass die Freunde der Störenfriede nicht schießen würden, solange er im Nahkampf mit ihren Kumpanen war. Außerdem waren sie aktuell durch die dicht gedrängte Masse, die aus dem immer größer werdenden freien Raum vor der Bühne resultierte, nicht in Zugriffsreichweite. Und niemand außer Sturmtruppen schoss quer durch eine volle Cantina.

“Eins.”, rief er dem immer verdutzter dreinblickenden Trio zu. Der in der Mitte stehende Stiernacken blickte noch einmal zu seinen Kollegen, bevor er antwortete. “Ey Mann, was glaubst du, wer du bist? Wir machen hier, was wir wollen! Wir sind die …”

Roger stand nun direkt vor der Gruppe.

“Null.”, unterbrach er den sicherlich nicht interessanten Redeschwall und eine krachende Linke des Sheriffs zerschmetterte den Kiefer des rechten Blasterschützen, nur einen Sekundenbruchteil später lag sein Kollege von der Rechten niedergestreckt neben ihm. Ungläubig verschluckte der in der Mitte stehende Sprecher ein paar Worte, als er endlich die Twi‘lek losließ, die sofort hinter der Bühne Deckung suchte. Roger achtete nicht auf die Hände des Mannes, die sich scheinbar abwehrend erheben wollten und packte ihn stattdessen an Gürtel und Kragen.

Mit einer beeindruckenden Demonstration an Kraft hob er den bulligen Mann über seinen Kopf und schleuderte ihn mit dem Rücken voran auf den leeren Boden hinter sich, wo er nach Atem ringend liegen blieb.

Ohne lange inne zu halten blickte Roger mit funkelnden Augen zu der Nische der Kompagnons.

“Ich bin hier das Gesetz. Ich bin … der Sheriff. Und ich sage jetzt, dass ihr bezahlt und geht. Entweder auf euren eigenen Beinen … oder liegend.”

Scheinbar wurde es heute eher ungemütlich. Mit lautstarkem Gebrüll bahnte sich die Gruppe faustschwingend ihren Weg durch die Menge, so dass die Cantina innerhalb von Sekunden in das reinste Tollhaus verwandelt wurde. Fäuste flogen überall und es bahnte sich eine der größten Kneipenschlägereien an, die Chalmuns Cantina seit Jahren gesehen hatte.

Der rechte Teil des Schnurrbarts des Sheriffs hob sich leicht nach oben. Dann halt so.

Theke

Flink duckte sich Kryss, um einem vorbeifliegenden Glas auszuweichen, welches mit einem vermutlich lauten Klirren an der eigentlich nicht eingeschalteten Jukebox zerschellte. Brummend sprang diese daraufhin an und spielte wohl irgendeinen Hit, doch in diesem ganzen Tohuwabohu ließ sich nicht wirklich was davon erkennen. Zudem verschwendete er auch keine Konzentration darauf, schließlich hatte er keine Lust, Kontakt mit Fäusten, Gläsern oder schlimmer noch Blastern zu machen. Und bei dem Chaos, was hier ausgebrochen war, war die Wahrscheinlichkeit sehr hoch.

Glücklicherweise war er auf der zur Bühne abgewandten Seite der Theke, denn es sah so aus, als würde dort das Halligalli abgehen. Vorsichtig arbeitete er sich geduckt weiter nach hinten vor, um dann unauffällig durch den Seitenausgang verschwinden zu können. Schnell warf er noch einen prüfenden Blick über die Theke. Zu seinem geplanten Lossprinten kam Kryss aber nicht mehr, als ein großer männlicher Körper über die Theke auf ihn zu geschlittert kam. Rechts und links spritzend und klirrend verteilten sich die darauf abgestellten Gläser und mit einem dumpfen „Wmmmpf“ krachte der Körper in ihn und unter begrub ihn unter sich. Ihm wurde schwarz vor Augen …

Koamalu war mit erhobenen Augenbrauen der Entwicklung vor der Bühne gefolgt. Zu schnell war danach die Situation in der Bar eskaliert. Nicht, dass er dem Ganzen aus dem Weg gegangen wäre, zu sehr war dafür sein Gerechtigkeitssinn aus der Zeit der Rebellion in ihm verankert.

Und in Lani, was das betraf … ein Blick zwischen den beiden hatte genügt. Sie fragte nur “Brauchst Du Hilfe?” – “Pack mal mit an, ich bin noch nicht ganz wach”, hatte er geantwortet …

Dem unbekannten Mann, der sich als “der Sheriff” bezeichnet hatte, war aufgrund seiner Statur seine hohe Kraft anzusehen. Bei den beiden Akoni verhielt sich dies jedoch anders. Beide waren auf einer Welt mit vergleichsweise hoher Schwerkraft aufgewachsen, gut 50% über der Norm. Nur sah man das ihren Körpern nicht an, Akoni waren im Vergleich zu einem ebenso großen Menschen sogar eher noch schlank. Die Natur hatte sie mit verstärkten Knochen und dichten Muskeln ausgestattet. Das war ein Vorteil, der bisher jeden Kampf Mann gegen Mann, an den sich Koamalu sich erinnern konnte, entschied.

Gerade, als einer der Gauner doch einen Schuss auf den Sheriff abgeben wollte, erreichte der Akoni ihn mit einer unerwartet schnellen, geschmeidigen Bewegung. Gäbe es in diesem Augenblick einen unbeteiligten Beobachter, wäre es für ihn kaum zu übersehen, dass hier jahrelanges Training im Spiel war.

Koamalus Handkante krachte gegen die Hand mit dem Blaster, der im hohen Bogen davonflog. Sein Opfer hatte kaum Zeit für einen Schrei, ehe ein Fausthieb die Person in das Reich der Träume schickte.

Kiachi, im Cheda Stil. Eine Kampfsportart Iokua Akonis, die vor allem für den Einsatz in für akonische Verhältnisse geringer Gravitation gedacht war. Schnelle Bewegungen und harte Schläge, die seine körperlichen Vorteile bis an die Grenze ausnutzten.

Lani, dicht hinter ihm, folgte zwar derselben Schule, jedoch betonte ihr Stil sehr viel mehr die Raffinesse in den Kampfbewegungen. Ein Ausgleich für die im Vergleich zu Koamalu doch geringere Körperkraft.

Noch während Koamalu sich dem nächsten Schläger entgegenwarf und diesen mit einem kombinierten Schlag beider Fäuste wie einen nassen Sack zu Boden schickte, duckte sich Lani unter einem Messerhieb hinweg. Mit einer blitzschnellen Drehung donnerte ihr Fuß gegen den Solarplexus des Messerstechers. Die Bewegung vollendend rollte sie sich über einen weiteren Hieb ab, dessen Herkunft sie nur unterbewusst wahrnahm. Ihr Instinkt ergriff die Faust und verlängerte deren Bewegung. Mit keiner Chance, das Gleichgewicht zu wahren, flog der Angreifer über Lani hinweg in Koamalus Richtung. Dieser fischte den Körper förmlich aus der Luft und rammte seinen Ellenbogen in dessen Kreuz, noch während Lani aus ihrer Rolle rückwärts wieder auf die Füße kam.

Sie grinste Koamalu breit an und streckte ihren Daumen nach oben. Koamalu stieß ein lautes Lachen aus, das abrupt abbrach, als ihm jemand die Faust in den Rücken rammte. Langsam drehte er sich um und erblickte vor … nein, eher unter sich einen Menschen, gut anderthalb Kopf kleiner, der ihn irritiert anblickte. Offenbar hatte er ein etwas durchschlagenderes Ergebnis von seinem Angriff erwartet.

Koamalu zog nur die Augenbrauen hoch und quittierte den irritierten Blick mit einem Schlag auf den Kopf. Genau die richtige Arbeitshöhe, so fand er.

Chalmuns Cantina, kurz vor dem Eingang

Schnellen Schrittes überquere Jayne Flyingpaw die staubigen Straßen von Mos Eisley auf der Suche nach einem Drink. Einem starken Drink. Sie schäumte vor Wut und hatte seit Stunden bereits das Bedürfnis, jemandem die Knochen zu brechen. Allen voran dieser erbärmlichen und falschen Ratte Eric. Wenn sie ihn nur noch ein einziges Mal in die Finger bekommen würde…

Sie hatte Eric vor etwa drei Jahren kennen gelernt, auf einer Auktion für ausgemusterte Raumschiffe. Groß, breite und muskulöse Schultern, blonde Haare, bezaubernd, verführerische blaue Augen. Ein Lächeln, das sie zum Schmelzen brachte. Und einen Charakter wie ein Zucca Hausschwein. Was eigentlich eine Beleidigung für das Schwein war…

Leider hatte sie das erst zu spät wirklich begriffen. Um genau zu sein, vor etwa zwei Stunden. Als sie feststellen musste, dass er, nachdem er sein Schiff verspielt hatte, mit ihrem Gleiter, ihrem Blaster und ihren Ersparnissen getürmt war. Und wäre er nicht ein Mann gewesen, hätte er sich ihrer Unterwäsche vermutlich auch noch bemächtigt. Je länger sie über ihn nachdachte, desto mehr begann sie sich auch über ihre eigene Naivität zu ärgern – sie hätte es kommen sehen müssen.

Status Quo: Sie besaß aktuell nicht mehr als das, was sie am Leibe trug; eine alte Jacke, die sie angesichts der Hitze in ihrem Quartier gelassen hatte, etwas Unterwäsche und eine horrende Rechnung über das Zimmer, in das sie sich eingemietet hatten. 10 Credits in der Tasche und einen Zettel, in der er ihr seine Beweggründe zu erklären versuchte. Zwei Zeilen, drei Rechtschreibfehler – oh, sie würde ihn windelweich prügeln sollte er ihr noch einmal über den Weg laufen.

Schwungvoll nahm sie zwei Treppen gleichzeitig, um auf die Veranda zu gelangen, die den Eingang der Cantina umspielte. Gerade wollte sie nach der Schwungtüre greifen, um sie vor sich her schiebend zu öffnen, als ihr ein Gast entgegen taumelte und ihr dabei beinahe die Tür an die Stirn schlug.

Sie holte gerade Luft, um ihr Gegenüber mit Flüchen zu belegen, als selbiger von einem weiteren Gast zielsicher umgenietet wurde, woraufhin beide in einem Gewirr aus Armen und Beine über die Veranda polterten und an dessen Ende in einer Sandwolke einfach herunter fielen.

Jaynes Augenbrauen schossen in die Höhe und sie schloss ihren Mund kommentarlos. Manchmal gab es doch so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit.

Chalmuns Cantina, im Getümmel, zwei Minuten später …

Die Schläger, zumindest die, die noch nicht bewusstlos waren, wälzten sich stöhnend am Boden, während Koamalu und Lani neben den Sheriff traten und alle drei prüfend in die Runde blickten.

“So, das werden die sich zwei Mal überlegen, bevor die hier noch mal aufmucken.” Er grinste breit: “Das ist Lani Akamu und ich bin Koamalu Kahanamoku. Ich hoffe, wir haben Ihren Nachmittag nicht zu sehr gestört…”

Der sonst so düster aussehende Alderaaner lachte laut auf. “Nein im Gegenteil”, antwortete er herzlich, “Ich bin immer dankbar für eine ordentliche Rückendeckung bei einer Keilerei!”, zwinkerte er Koamalu zu.

Der Sheriff streckte seine Glieder, aber bis auf ein paar blaue Flecke hatte er nichts kassiert. Der Blick durch den Raum verriet, dass die ganze Arbeit getan war. Die meisten Leute rappelten sich auf und die Störenfriede zogen ab oder wurden von dannen gezogen. Auch die Band spielte wieder einen alten instrumentalen Bith-Klassiker, der wohl nie aus der Mode kam. Die Sängerin brauchte scheinbar eine Pause nach dem Getümmel.

“Ich danke euch für eure Hilfe, andernfalls wäre es wohl etwas ernster geworden.”, sein Blick wanderte durch die Bar und fiel auf ein vom Sehen bekanntes, wenn auch bewusstloses Gesicht. “So wie ihr ausschaut, kommt ihr wohl auch nicht von hier. Ehrlich gesagt, seht ihr für so eine Bar auch zu anständig aus.”, plauderte Roger vergnügt, während er auf den Körper neben der Theke zuging. “Entschuldigt mich bitte kurz, ich muss gerade mal nach diesem Kerl schauen. Ich habe ihn schon ein paar Mal hier gesehen, vom Typ jemand der eine Pechsträhne hat.”

irgendwo

… Wolkenfetzen, Warnmeldungen, Rauschen, Baumwipfel … Einschlag! Alles um Kryss herum drehte sich. Sein Magen rebellierte. Ein übler Geruch breitete sich um ihn herum aus. Seine Nase brannte. Seine Weste fühlte sich feucht an. Verdammt, was war passiert, was hatte er getan? Ein Stöhnen brachte ihn in die Realität zurück, ließ seine Gedankengänge zurück zu logischen Strukturen kommen und ließ ihn die Augen aufschlagen. Aber nur kurz. Ein stechender Schmerz fuhr ihm durch den Kopf und ließ ihn die Lider wieder fest zusammenpressen. „Oha“, stöhnte er selbst auf und versuchte, das Schwindelgefühl ein wenig unter Kontrolle zu bringen. Vorsichtig wagte er einen zweiten Versuch mit den Augen und diesmal konnte er die aufsteigenden Schmerzen einigermaßen ertragen. Er blinzelte, wischte sich die rauchigen Schlieren aus den Augen und erkannte, dass es gar nicht seine Augen waren, sondern tatsächlich Rauch war, der im inneren der Rettungskapsel waberte und vermutlich auch für körperlichen Begleiterscheinungen verantwortlich war. Er hustete, schluckte, hustete erneut und drehte sich auf die Seite, um sich dann in eine sitzende Position hieven zu können.

„Dash.“ Ein Hustenanfall schüttelte ihn durch, bevor er erneut nach seinem Mitabsturzpartner rufen konnte. „Dash. DASH!“ Ein Stöhnen kam als Antwort. „Verdammt, wir müssen hier raus“, keuchte Kryss zwischen zwei erneuten Hustern hervor. „Ich glaube, der Rauch hier hat nichts Gutes zu bedeuten.“ Ein zustimmendes Murmeln, gefolgt von einem Röcheln trieb ihn dazu an, sich aufzusetzen, nachdem er mit zittrigen Händen sein Sicherheitsgeschirr abgelegt hatte. Er wedelte mit der Hand herum, um den dichtesten Rauch ein wenig zu vertreiben und erkannte Dash, der sich gerade auch von den Gurten befreit hatte. Sie nickten sich zu und Kryss schaute sich nach dem Notfallentriegelungsknopf für die Ausstiegsluke um. Er blinkte schwach, als er ihn gefunden hatte. Hoffentlich war das kein schlechtes Zeichen. Mit einem festen Schlag hieb er auf den Knopf und registrierte zufrieden, dass die Luke mit einem lauten Knall aus ihrer Verankerung gesprengt wurde. Frische Luft füllte die Rettungskapsel und seine Lungen und vertrieb die Rauchschwaden um sie herum. Dash stieß einen Jubelschrei aus und auch Kryss war froh, dass sie es überlebt hatten. Er kletterte auf die Rückenlehne eines Sitzes und streckte den Kopf aus der Luke in die Sonne. Tief atmete er ein; und hustete einen Schwall Wasser weg, der ihn unvermittelt traf. Wasser? Hier? Bei Sonnenschein?

Chalmuns Cantina, Eingang

In der Hoffnung, von keinem Nachzügler getroffen zu werden, trat Jayne nun die Tür mit einem Fuß auf, ließ sie einmal hin und her schwingen und wagte es dann, nach einem prüfenden Blick ins Innere, einzutreffen.

Der Anblick, der sich ihr nun bot, war als äußerst interessant zu beschreiben. Offenbar hatte hier gerade eine handfeste Schlägerei stattgefunden, was zumindest ihr schwankendes Begrüßungskomitee erklärte. Auf der anderen Seite des Raumes hatten sich die vermeintlichen Hauptakteure versammelt – einige davon liegend am Boden, die anderen – ziemlich sicher die Gewinner der Auseinandersetzung – etwas schwer atmend stehend und in ein Gespräch vertieft.

Durchaus bedauerlich, dass sie nicht etwas früher gekommen war. Sie hätte durchaus Gefallen daran finden können, hier ein paar Fäuste fliegen zu lassen. Als kleinen emotionalen Ausgleich.

Seufzend straffte Jayne stattdessen nun ihre Schultern, strich sich eine Strähne ihres dunklen Haars aus dem Gesicht und steuerte auf die Bar zu, in der Hoffnung, nicht allzu lange auf ihren Drink warten zu müssen.

Chalmuns Cantina, neben der Theke

Patschende Ohrfeigen rissen Kryss zurück ins Hier und Jetzt. Verwirrt schlug er die Augen auf, blickte auf zu einer gräulich schmutzigen Decke und einem Augenpaar eingerahmt von dunklen langen Haaren und einem großen Schnurrbart. „ICH BIN WACH!“, gab er schnell von sich, bevor die erhobene Hand des Bartträgers erneut Spuren in seinem Gesicht hinterließ. „Ich bin wach und verdammt nass, verflucht“, beschwerte er sich und rappelte sich vom Boden auf. Neben ihm lag immer noch bewusstlos der Mann, der ihn über die Theke rutschend ausgeknockt hatte. „Meine Güte, was ist denn hier passiert?“, fragte er und blickte in das um ihn herum bestehende Chaos.

Roger lachte nur. “Ein wenig Abwechslung auf diesem öden Klumpen Sand.”, mit einem Blick auf die beiden Akoni fuhr er fort, “Aber entschuldigt bitte meine Manieren. Auch wenn ihr es vielleicht schon mitbekommen habt: Ich bin der Sheriff, aber ihr dürft mich Roger nennen. Dies dürfen nicht alle, aber Leute, die mir im Kampf den Rücken freihalten oder”, mit einem schelmischen Blick auf Kryss, “es versuchen, haben es sich verdient. Ich freue mich, eure Bekanntschaft zu machen.”

“Ich bin ebenfalls erfreut, Roger”, grinste Lani breit, während sie sich den letzten Staub der Prügelei von der Kleidung klopfte. Ihre beige Hose war voller Flecken und mehr als zerknittert, was man von ihrer weißen, locker fallenden Bluse aus leichtem Material leider ebenfalls sagen musste.

“Jetzt schau Dir das an!”, anklagend richtete sich ihr Blick auf Koamalu. “Die Sachen sind ruiniert, ehrlich. Immer, wenn ich mit Dir unterwegs bin, kann ich mir neue Kleidung besorgen. Entweder landen wir in irgendwelchen Sümpfen, in denen man seine Stiefel verliert oder auf einem Felsblock, an dem man sich das Zeug in Fetzen reißt.”

Gespielt grimmig blickte sie auf einen Riss in der Bluse, durch den braun gebrannte Haut schimmerte, die in seltsamem Kontrast zu den weißblonden Haaren der Akoni stand. “Musstest Du nun unbedingt auf so einem … wie meinten Sie eben, Roger?”, fragend blickte sie zu dem Mann mit dem Schnauzbart, “… Klumpen Sand? … landen, um neue Crewmitglieder anzuheuern?”

Innerlich wäre Lani beinahe in Lachen ausgebrochen. Der Blick der beiden fremden Männer während ihrer Tirade war ausgesprochen komisch!

Koamalu hatte angesichts der Tirade nur lässig die Augenbrauen angehoben. “Es schadet gar nichts, wenn Du ein paar Fetzen loswirst. Vielleicht kommt dann das Startgewicht der Hemolele endlich mal wieder runter. Davon abgesehen hast Du leicht Reden. Du bist nur etwas verstaubt, ich bin abends immer völlig fertig von der ganzen Rackerei.”

Betont schwerfällig strich er sich den nicht vorhandenen Schweiß aus der Stirn.

In gespielter Empörung stemmte Lani ihre Hände rechts und links in die Taille. “Vielleicht solltest Du dann weniger essen und mehr trainieren, mein Lieber!”, entgegnete sie spitz, was ihr ein Schnauben ihres Landsmannes einbrachte.

hinter der Theke

Mit einem Klatschen warf sich Wuher seinen bis eben im Einsatz befindlichen Lappen über die Schulter, öffnete eine Schublade in der Theke und kramte darin herum. Es dauerte ein paar Sekunden, bis er gefunden hatte, was er suchte und es brachte einige Dinge ans Tageslicht, die er dort nie vermutet hatte. Mit einem Knall schloss er die Lade wieder; und die Erinnerung an den Inhalt verschwand wieder in seinem Unterbewusstsein. Zielstrebig marschierte er zur kleinen Personenversammlung rund um den Sheriff. Auf dem Weg dorthin kam er an einer großflächigen Getränkepfütze auf der Theke vorbei. Missmutig stoppte er, blickte nachdenklich darauf, nahm den Lappen von der Schulter und wischte die Flüssigkeit mit einer gekonnten Handbewegung weg. Zufrieden glänzte ihn die saubere Theke an, der Lappen wanderte wieder auf seine ursprüngliche Position auf der linken Schulter und Wuher setzte seinen Weg fort.

bei der Theke

“Ich würde mich ja bedanken, dass Sie das Pack so fachmännisch außer Gefecht gesetzt haben”, begrüßte er die kleine Gruppe. “Aber erstens sind solche Vorkommnisse klar im Arbeitsvertrag der Band geregelt und werden finanziell großzügig abgegolten …” der Blick machte klar, was man darunter verstehen konnte, “und zweitens müssen wir jetzt klären, was hier mit dem Chaos passiert, was entstanden ist und vor allem, wer dafür aufkommt.”

Er aktivierte das kleine Projektionsgerät, welches er vorhin der Schublade entnommen hatte und warf das erzeugte Bild auf eine nahegelegene Wand, die von ein paar grünen Spritzern unerklärlicher Masse bedeckt war. Angestrengt versuchte Wuher, die Sauerei zu ignorieren und stattdessen klar auf die Übersicht zu sprechen zu kommen, die das Bild zeigte.

“Wie Sie sehen, habe ich hier schon mal etwas vorbereitet. Die Posten A, B und E sind nicht verhandelbar. Bei den anderen lässt Chalmun normalerweise mit sich reden. Trotzdem hätte ich gerne von Ihnen ein paar Vorschläge, wie wir die Sache hier schnell und unkompliziert lösen können.”

Interessiert blickte Koamalu zum Wirt. Jetzt kam also der zweite Akt. Nun, auch da hatte er Routine.

Koamalus rechte Augenbraue war stückweise nach oben gewandert, angesichts der bunten Graphiken, die da an der Wand flimmerten. Der Mann hatte wohl nicht alle Tassen im Schrank.

“Aha”, meinte Koamalu und nickte Lani nur kurz zu, die in Richtung der Bewusstlosen davon schritt.

Mit einem Handgriff schaltete der Akoni den Projektor aus und stellte sich zwischen den Projektor und Wuher.

“Jetzt hören Sie mir einmal zu, Mister. Erstens ist hier kaum etwas kaputtgegangen, ihre fiktiven Posten können Sie sich daher gerne auf ihre nächste Getränkekarte pinnen.”

Wuher wollte gerade etwas entgegnen, aber der halbe Schritt, den Koamalu auf ihn zu tat, unterband dies zufällig. Der Barkeeper musste jetzt den Kopf in den Nacken legen, um dem beinahe zwei Köpfe größeren Akoni noch in die Augen blicken zu können.

“Zweitens”, fuhr Koamalu fort, “sollten Sie froh sein, dass Ihre Band noch komplett ist, sie erhöht den Reiz eines Besuches in diesem Etablissement wenigstens wieder über Null, wenn man die von Ihnen selbst verursachten Faktoren einmal miteinander verrechnet.”

Koamalu ging noch einen kleinen Schritt in Wuhers Richtung, der jetzt gezwungen war, ein Stück zurück zu stolpern.

“Und Drittens sollten Sie es sich gut überlegen, ehe Sie noch einmal versuchen, mich über den Tisch zu ziehen. Ich könnte das nächste Mal nicht ganz so freundlich reagieren.”

Koamalu schnitt Wuher erneut das Wort ab, indem er sich in Lanis Richtung wandte und den Barkeeper einfach ignorierte: “Lani, was macht die Kollekte?”

“Ich würde sagen, mehr als erfolgreich.” Sie zog dem letzten Schläger noch einen weiteren Creditchip aus der Tasche und hielt ihn kurz gegen ihr eigenes Lesegerät, ehe sie zufrieden nickte und zu den anderen zurückkam.

Dem Barkeeper warf sie zwei der Creditchips zu: “Das dürfte ihre Auslagen mehr als decken und jetzt bringen Sie uns allen nochmal einen Drink. Und zwar pronto.”

Wuher inspizierte kurz die Chips. Unmittelbar weiteten sich seine Augen. Über tausend Credits. Die Blicke der beiden Akoni machten sonnenklar, dass er sich nun besser wieder um seine Theke kümmern sollte. Und zwar pronto.

am Eingang

Kandor betrat die Cantina. Er war frohgelaunt und trug seine Beute, einige metallene Spitzen, in einer kleinen, handlichen, offenen Holzkiste. Wer nicht gerade ein Experte war, würde niemals erkennen, dass es sich hierbei um Plasmapfeile für Energiebögen handelte. Diese Art der Kriegsbögen wurde nahezu nicht mehr verwendet in der Galaxis.

Der junge Dathomiri schmunzelte, als er Lady Lanis letzte Worte vernahm. Scheinbar hatte sie jede Menge Spaß. Und nach einem umherschweifenden Blick wusste er auch, warum. Aus dem Schmunzeln wurde ein breites Grinsen. Mit schnellen Schritten bahnte er sich geschickt seinen Weg vorbei an den Hauptakteuren zur Theke.

Theke

Dort stellte er die Kiste auf die Theke, wobei die Kapuze seiner grauen Robe nach hinten abfiel. Darunter zeigte sich ein licht orangefarbenes Gesicht mit roten Augen und flammendroten, schulterlangen Haaren. Er strahlte den Barkeeper regelrecht an, während er sprach: „Nach so einer schweren Arbeit hat man ja Durst. Barkeeper, geben Sie mir bitte doch besten alkoholfreien Drink, den sie haben!“

bei der Theke

Als der Barkeeper außer Hörweite war, antwortete Lani auf den fragenden Blick ihres Kapitäns. Sie deutete über die Schulter: “Die Typen sind angeheuert worden, von wem und mit welchem Ziel, das weiß ich nicht. Ich habe mehr Credits in ihren Taschen gefunden, als diese abgehalfterten Typen in einem Jahr verdienen dürften … Jetzt teilen wir aber erst einmal auf.”

Mit diesem Worten drückte Sie dem Sheriff ebenso wie Koamalu jeweils Creditchips im Wert von rund 4.000 Credits in die Hand.

Koamalu nickte, als er erwiderte: “Na, wie dem auch sei. Heute machen diese Kerle nichts mehr. Und um auf Deine Frage zurückzukommen: Ich hatte nicht geplant, dass sich unsere Pilotin zusammen mit unserer Bordwache in der ersten Nacht hier auf und davon macht. Ich kann echt nicht verstehen, war er an ihr findet…”

Er deutete auf die Barhocker vor der Theke: “Aber jetzt trinken wir erst mal was.”

„Ich von meiner Seite aus würde sagen, das lag an ihren … weiblichen Rundungen“, beantwortete Kandor die Frage des zur Theke gehenden Akoni gradlinig. „Das und vielleicht an seiner Neigung … naja, wenn man auf Peitschen und Fesselspiele eben steht“, ergänzte er sachlich weiter und legte dabei seinen Kopf leicht schräg.

„Und wenn ich Sie korrigieren darf, Captain“, fügte Kandor hinzu, „wir benötigen auch sehr wahrscheinlich einen Techniker. Sofern ich das vorher richtig gesehen habe, hat sie auch Herrn Tetschau an einer schwarzen Lederleine mitgeführt. Letztendlich sind alle drei selig in eine Segelbarke nach Mos Espa gestiegen. Was für ein Appetit!“, stellte er kopfschüttelnd fest.

Kryss lehnte verwirrt und sprachlos an der Theke; beinahe wieder an seinem vorherigen Platz und nahm verdattert einen der Drinks entgegen, die der Barmann großzügig mit einem Lächeln in seinem hässlichen Gesicht verteilte. Kurz überlegte er, ob er immer noch bewusstlos war und das ganze hier ein schlechter Traum war, doch seine brennende Wange zeigte ihm, dass er sich sehr wohl im Hier und Jetzt befand. Er nahm durch den bunten Strohhalm einen großen Schluck aus seinem Glas und begutachtete die umstehenden Leute. Was für ein bunter und verrückter Haufen. Doch vielleicht eine Möglichkeit, hier von dem Sandklumpen weg zu kommen. Seine Hand fingerte in seiner Tasche nach den restlichen Credits; richtig wehmütig hatte er eben die großzügige Verteilung der eingesackten ‘Reichtümer’ verfolgt. Doch auch die deutlichen Hinweise, dass sie auf Mitarbeitersuche waren und vor allem ein Techniker gebraucht wurde, waren auf seine offenen Ohren gestoßen.

“Entschuldigung”, begann er zaghaft, während er langsam den Finger hob. “Wenn Sie einen Techniker suchen, dann wäre ich Ihr Mann.”

Mit einem leichten Gurgeln ließ Jayne die Flüssigkeit ihres Drinks zwischen Zunge und Rachen genussvoll hindurch rinnen, während sie mit einem Ohr aufmerksam dem Gespräch der Truppe neben ihr folgte.

Einen Techniker und ein Pilot waren der Crew gerade durchgebrannt – soso. Sollte es wirklich so einfach sein an einen neuen Job zu kommen?

Mit dem Finger deutetet sie dem Wirt an er solle ihr leeres Glas wieder auffüllen – das passte gerade noch in ihr Budget für den heutigen Abend.

Dann drehte sie sich lässig auf ihrem Stuhl zur Seite und ergriff das Wort. Was hatte sie schon zu verlieren, solange das Schiff dicht war und niemand die Hygiene vernachlässigte, konnte sie mit fast allem Leben. Hauptsache sie kam weg von diesem Planeten und konnte diesen Mistkerl von einem … * vergessen.

“Ich kam ebenfalls gerade nicht umhin, Ihr Gespräch mit zu bekommen. Sie suchen auch einen Piloten?”

“Ja, da schau einer an!”, Lani lehnte sich ein wenig nach hinten und musterte zunächst den Mann, dann die Frau ausgiebig. Braune, halblange Haare, leicht frustrierte Ausstrahlung. ‘Reichlich abgebrannt, hm?’, vermutete sie insgeheim. Die Frau hingegen war eine andere Baustelle. Sie hatte eine lässige Pose eingenommen, aber Lanis Bauchgefühl sagte ihr, dass sie Temperament hatte.

Freundschaftlich landete ihr Ellbogen in Koamalus Rippengegend. “He, Du scheinst mehr Glück als Verstand zu haben!”

“Sei froh – hätte ich auf meinen Verstand gehört, wärst Du vermutlich jetzt nicht an Bord”, erwiderte Koamalu breit grinsend, ehe er sich wieder den beiden Arbeitssuchenden zuwandte.

“Ja, wir suchen ein paar Besatzungsmitglieder. Ich bin Kapitän Koamalu Kahanamoku, das ist mein erster Offizier, Lani Akamu. Die Hemolele ist ein Handelsschiff, eine Korvette der CR90 Klasse und mein Eigentum. Fracht und Passagiere sind unsere hauptsächliche Einnahmequelle.

Wer bei mir anheuern will, muss mich und Lani hier davon überzeugen, dass es eine gute Idee ist.

Abseits davon: Das Schiff ist unabhängig, auch wenn wir gelegentlich im Auftrag der Neuen Republik unterwegs sind. Wer damit ein Problem hat, sollte jetzt verschwinden. Ansonsten würde ich gerne wissen, was Sie so drauf haben"

Koamalu blickte den beiden der Reihe nach ins Gesicht und wartete auf eine Antwort.

“Ich weiß nicht, ob es vorhin möglicherweise etwas untergegangen ist, aber ich bin Kryss”, stellte er sich noch einmal vor und reichte Lani und Koamalu die Hand, setzte das Händeschütteln dann bei Roger und dem Mann mit der Kapuze fort und nickte der Pilotin zu. “Also falls es wirklich noch jemanden geben sollte, der offen FÜR das Imperium ist, der wird sich meiner Meinung nach bestimmt nicht hier auf Tatooine herum treiben. Er hätte vermutlich schneller einen Blaster im Rücken als ein Pod-Racer starten kann.”

Er prostete den anderen mit einem Lächeln zu und betrachtete den Captain und die großgewachsene Frau, die als erster Offizier vorgestellt worden war. ‘Hemolele!’ Also manche Leute hatten Namensideen für ihre Schiffe. Er konnte sich noch gut daran erinnern, als auf Yavin IV einer der X-Wingpiloten im betrunkenen Kopf seinen Flieger dick mit einer barbusigen Schönheit bemalt und groß “Sexbombe” auf den Flügel gepinselt hatte. Der Staffelkommandant war definitiv “not amused” gewesen, doch leider hatte es keine wirkliche Rolle mehr gespielt, denn das Schiff war kurz darauf abgeschossen worden.

“Ich war auf Yavin und Hoth dabei; ich denke, das klärt meine politische Haltung relativ deutlich auf”, schmunzelte er. “Zudem bin ich mehr oder weniger groß geworden auf einem YT-2000. Die Größenverhältnisse sind ein klein bisschen anders, doch ansonsten sind die technischen Gegebenheiten sehr ähnlich. Ich könnte mich; gäbe es hier eins, ein wenig weit aus dem Fenster lehnen und behaupten, Sie finden hier auf diesem Sandklumpen keinen anderen, der besser auf Ihr Schiff passt als ich. Doch vermutlich wäre eine Demonstration glaubwürdiger als jegliches Geschwafel. Ich bin gerne bereit, mich Ihren Prüfungen zu stellen.”

Interessiert hatte Roger den bunten Haufen der Hemolele sowie die Bewerbungen der anderen beobachtet. Er konnte sich recht gut vorstellen wohin nach Mos Espa die ehemaligen Crewmitglieder gefahren waren und er bedauerte die beiden liebestollen Männer. In Anwesenheit anderer Frauen, deren Humor er noch nicht einschätzen konnte, wollte er es aber erst einmal für sich behalten. Insbesondere die Pilotin schien unter der Oberfläche ein wenig zu brodeln.

Dass ausgerechnet der so unglücklich ausgeknockte Kryss an zwei der wichtigsten Schlachten des Bürgerkrieges teilgenommen hatte, hätte er ehrlicherweise nicht gedacht. Auf der anderen Seite bedauerte er, dass so jemand wiederum auf Tatooine landete. Viele rühmten sich Teil der Allianz gewesen zu sein, obwohl im Schrank noch eine Imperiumsunform hing. Diesem Menschen glaubte er es aber. Warum dieser aber hier und nicht im Dienste der neuen Republik stand, war bestimmt eine interessante Geschichte.

Und Geschichten liebte der Sheriff.

Die Geschichte, wie zwei Akoni an einen CR90 rankamen, freundlich gesonnen waren und auch noch die Beute großzügig teilten … war definitiv eine Geschichte, der er vielleicht teilhaben wollte.

Das größte Interesse zog aber der Mann mit der Kapuze auf sich, während er sich einen großen Schluck aus seinem von Wuher gereichten Becher mit seinem Lieblingsgetränk gönnte. Der Barmann funkelte ihn dabei böse an und er hatte keine Zweifel, dass er Chalmun gegenüber die ganze Schuld auf ihn schieben würde. Seit Roger hier angefangen hatte, empfand Wuher ihn als Störung. Ob es daran lag, dass er etwas mit einer der Kellnerinnen gehabt hatte?

Roger schüttelte diesen Gedanken buchstäblich ab, und räusperte sich kurz. “Also bevor die Anmeldefrist schließt, werfe ich meinen Hut auch in den Ring, sobald ich ihn aus meinem Zimmer geholt habe.”, bemerkte er und zog dabei die Aufmerksamkeit wieder auf sich. "Allerdings, auch wenn ich ein wenig Erfahrung in diesen Dingen habe, möchte ich niemanden der hier Anwesenden seinen Posten streitig machen.

Da ich kürzlich zu Geld gekommen bin", mit einem Lächeln steckte er den Creditstick in die Innentasche seines Mantels, “würde ich gerne eine Passage buchen. Wenn es mir gefällt und ich mich mit meiner Erfahrung nützlich machen kann, kann ich mir durchaus vorstellen, auch anzuheuern. Als Gegenleistung könnte ich zum Beispiel Ihrem bisher namenlosen Begleiter noch drei andere Planeten im Outer Rim nennen, wo man vernünftige Plasmapfeile finden kann.”

Zu dem Dathomiri prostete er kurz augenzwinkernd zu, “Nenn mich Roger.”

Kandor ließ gerade die Hand von Kryss los, als der freundliche Hinweis des Hünen neben ihm kam, dass er sich noch gar nicht vorgestellt hatte.

Herzhaft lachte er laut auf.

“Wenn ich so freundlich gebeten werde, mich vorzustellen, dann werde ich das doch schleunigst nachholen”, grinste er schelmisch in die Runde.

Mit beiden Händen schob er die Kapuze nun vollends beiseite. Darunter kam ein freundliches leicht orangefarbenes Gesicht mit roten Augen, flammendrotem langem Haar und einer halbfingerbreiten Narbe über seiner linken Gesichtshälfte hervor. Die Narbe begann in der Mitte der Stirn und verlief bis zu den Wangenknochen. Über seiner linken Augenbraue war eine rostfarbene Tätowierung in Form von vier rautenförmigen Punkten zu sehen.

“Ich bin …”, setzte er an und machte eine theatralische Pause, bei der er einen Schritt zurück machte, sodass ihn nun alle sehen konnten, “das Monster auf der schönen Hemolele. Derjenige, mit dem man sich auf gar keinen Fall anlegen sollte.” Wieder machte er eine Pause und blickte todernst in die Gesichter der drei Aspiranten, die ihn gerade sprachlos und etwas verwirrt anstarrten.

“Ich bin … der Koch auf der Hemolele. Kandor Lai ist mein Name”, ergänzte er nun wieder lachend und legte eine vollendete Verbeugung mit einer leicht spöttischen Note vor den Versammelten hin. Als er wieder seinen Kopf hob, strahlte er wieder alle fröhlich an, als wäre nichts geschehen und fügte hinzu: “Es ist mir wahrhaft eine Freude, Sie alle kennenlernen zu dürfen. Besonders jemanden, der sich scheinbar mit altertümlichen Waffen auszukennen scheint.” Mit dem letzten Satz zwinkerte er Roger wiederum zu.

Der Sheriff prostete dem Koch zu. “Ob etwas altertümlich ist, liegt immer im Auge des Betrachters. Zum Beispiel, auf welcher Seite des Energiebogens man steht.”, erwiderte Roger gut gelaunt und wandte sich wieder den beiden Akoni zu.

“Nun denn. Sie haben neben einer netten Schlägerei und ein wenig Barem auch zwei potentielle Crewmitglieder und einen Passagier gefunden. Wenn ich es recht in Erinnerung habe, ist die Hemolele in Landebucht 1138 erst vor zwei Stunden aufgesetzt. Wenn das nur der Beginn dieses Tages ist, bin ich gespannt wie es weitergeht. Welche Qualifikationstests haben Sie denn für die Beiden vorgesehen?”

Normalerweise hatte Jayne weniger Probleme sich an einem Gespräch zu beteiligen. Sie war gesellig, unterhaltsam, manchmal auch komisch. Aber nur wenn sie zu viel getrunken hatte. Im Moment jedoch war sie angesichts der showreichen Vorstellungen des Koches doch ein wenige baff. Wie gerade eben an der Tür hatte sie zum Sprechen ansetzten wollen, dann jedoch verwundert und unverrichteter Dinge den Mund wieder geschlossen.

Nun ergriff sie wieder ihre Chance und schob ihre Hand nach vorne, bevor jemand erneut Luft holen konnte, um zu sprechen. Ein altes Begrüßungsritual der Menschen, etwas aus der Mode gekommen, manchmal aber immer noch hilfreich – das Händeschütteln.

“Jayne Flyingpaw, hallo! Ich fliege Ihnen sicher alles, was einen Antrieb hat. Vom kleinen Gleiter bis hin zu einem großen Kreuzer. Wenn Sie auf einen Test bestehen – gerne, ich bin zu allem bereit.”

Koamalu ergriff vorsichtig die Hand der Pilotin, erwiderte ihre Geste und blickte daraufhin in die Runde:

“Nun gut, dann hätte ich einen Vorschlag: Ich für meinen Teil trinke jetzt erst einmal in Ruhe dieses bunte Etwas aus”, er deutete auf seinen Drink.

“Danach vertagen wir uns auf die Hemolele. Sie hatten im übrigen Recht, Sheriff. Die Hemolele liegt in Bucht 1138 und wird gerade entladen. Ich würde Sie alle bitten, mich dorthin zu begleiten.”

Jetzt übernahm der Kommandant in Koamalu, während er routiniert seine Crew einteilte: "Ms. Flyingpaw, Mr. Kryss, Lani und ich werden uns an Bord noch mal etwas näher unterhalten und sehen, ob wir uns handelseinig werden.

Kandor, Du bringst bitte den Sheriff zwischenzeitlich in ein Quartier der ersten Klasse ein. Unser nächstes Ziel ist Ando, bis dahin geht der Aufpreis von der Holzklasse auf meine Rechnung – ich habe schon lange nicht mehr so viel Spaß gehabt wie heute. Danach allerdings gelten die normalen Passagiertarife."

Zustimmendes Gemurmel erhob sich um ihn herum, worauf Koamalu sich zufrieden einen weiteren Schluck genehmigte.

Chronik 2: Probearbeiten und Marktbesuche

Comments

Amaro

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