Hemolele

Chronik 2: Probearbeiten und Marktbesuche

Chalmuns Cantina, Theke

Kandor zog aus einer seiner vielen Taschen unter der grauen Robe einen kleinen Terminal hervor. Mit wenigen Klicks hatte er die nötigen Eingaben gemacht. “In Ordnung”, bestätigte er. “Roger, kommen Sie einfach zur Landebucht 1138. Ein Protokolldroide wird am Eingang auf Sie warten und Sie dann zu Ihrem Zimmer bringen. Sie müssen sich nur noch überlegen, ob Sie lieber ein Zimmer mit Blick Richtung Boden oder Blick Richtung Himmel haben wollen. Teilen Sie einfach Ihren Wunsch entsprechend dem Droiden mit”, ergänzte er freundlich lächelnd zum Sheriff gewandt.

Dann gefror sein Lächeln, als würde ihm gerade siedend heiß etwas einfallen. Der Koch fluchte: “Ich habe die Zwillinge vergessen!” Ohne an seine Kiste zu denken, drehte er sich um und rannte Hals über Kopf aus der Cantina.

Auf dem Weg zum Markt

Die eineiigen Togruta-Zwillinge, wie konnte er sie nur vergessen, ärgerte sich Kandor, während er unterwegs war. Die beiden Frauen, Mira-Ti und Mara-Ta, waren neben ihm in der Kombüse beschäftigt. Er hatte sich eigentlich mit Ihnen auf dem Markt treffen wollen, um frische Lebensmittel und Gewürze einkaufen. Sie waren bestimmt ohne ihn Losgezogen. Aber in einer verkommenen Stadt wie Mos Eisley könnte das gefährlich für sie werden. Kandor sorgte sich, dass die beiden gutgläubigen Zwillinge schneller in einem Schiff nach Mos Espa in Richtung Sklavenmarkt unterwegs sein dürften, als ihm lieb war. Beide waren zwei wirkliche Schönheiten und gut ausgebildet. Sie dürften auf dem Sklavenmarkt als Dienerinnen wahrscheinlich enorme Summen abwerfen. Kandor schauderte und beschleunigte noch seinen Gang in Richtung Markt.

Hemolele, Wartungsraum von Droiden

“Ach Du meine Güte”, waren die ersten Worte des silbernen Protokolldroiden Proto, nachdem er von einem elektrischen Impuls zum Hochfahren bewegt worden war. Sogleich prüfte er die Daten, die soeben für ihn reingekommen waren.

“Wir haben einen Gast für die erste Klasse. Und dem Captain ist es wichtig, dass er sich wohl fühlt”, stellte er laut fest.

“Du da, und Du da. Wacht sofort auf, wir haben zu tun”, scheuchte er zwei weitere Droiden auf, die für Sauberkeit zuständig waren. Empört piepsten sie ihn an.

“Ihr braucht euch gar nicht bei mir zu beschweren. Wir haben einen sehr wichtigen Gast, der in der ersten Klasse untergebracht wird. Also geht los und macht am besten alle Räume der ersten Klasse nochmal sauber”, befahl er.

Die Droiden piepsten aufgebracht, sie hätten doch schon alles erst kürzlich saubergemacht.

“Keine Widerrede! Ihr wollt doch nicht den Captain enttäuschen, oder? Schließlich ist es sein Ehrengast”, stellte Proto wichtig fest.

Die Droiden piepsten nochmal was von “aufgeblasen”, aber machten sich dann doch auf den Weg.

Proto trat einen Schritt nach hinten. “Also so was!”, entrüstete er sich. “Aber was kann man auch von Droiden anderes erwarten, die nur für Sauberkeit zuständig sind”, beschwerte er sich.

Der Silberne machte sich auf den Weg in Richtung Schleuse. “Sheriff Roger, so heißt unser neuer Passagier. Ein Sheriff, das klingt offiziell, vielleicht hat das mit den Behörden zu tun. Oh je, oh je. Dieser dumme Kandor, warum kann er mir auch nicht schreiben, ob dieser Sheriff nun weiblich oder männlich ist. Soll ich nun Blumen in das Quartier bringen lassen oder nicht?”, fragte er sich beschwerend.

“Und überhaupt – welcher Rasse gehört dieser Sheriff denn an? Müssen wir vielleicht zusätzliche Vorkehrungen treffen? Oh je, oh je. So geht das nun wirklich nicht. Wie soll ich nur unter solchen Umständen ordentlich arbeiten können”, beklagte er sich während er weiter zur Schleuse schritt.

Hemolele, Kommandobrücke, später

Die Worte “Simulation gestartet” wurden durch eine Reihe taktischer Anzeigen ersetzt. Ansonsten herrschte im Schiff relative Ruhe, vielleicht von den Frachträumen einmal abgesehen. Dort herrschte hektische Betriebsamkeit, während die Dockarbeiter Kiste um Kiste aus dem Frachtraum ausluden.

“So, Ms. Flyingpaw”, begann Koamalu die Einweisung, “das Schiff gehört in dieser Simulation ganz Ihnen. Wie Sie sehen, ist bereits ein Ziel für einen Hypersprung ausgewählt. Programmieren Sie bitte den Sprung und bringen Sie uns im Zielsystem sicher bis zum Raumhafen.”

‘Und durch die diversen Piraten, die auf der anderen Seite des Hyperraums warten’, ergänzte er in Gedanken.

“Der Computer der Hemolele übernimmt in dieser Simulation die anderen Mannschaften des Schiffs, so dass Sie sich ganz auf Ihre Aufgabe konzentrieren können. Legen Sie bitte los, wenn Sie soweit sind.”

Jayne hatte während der kurzen Einweisung die Arme hinter dem Rücken verschränkt und mit leicht geneigtem Kopf zugehört.

Eine CR 90 Korvette war ein sehr gutmütiges und verlässliches Schiff – sagte man im Allgemeinmund unter den Piloten. Sie hatte vor einigen Jahren einmal die Ehre gehabt eines dieser Schiffe zu fliegen. Für etwas mehr als fünf Minuten. Danach hatte sie etwa drei Minuten Zeit gehabt zu erfahren wie sich das Schiff im Sturzflug machte und musste danach feststellen, dass man eine corellianische Korvette nur bedingt Notwassern konnte.

Wenn sie im Nachhinein an diesen Tag dachte musste sie unwillkürlich ein Grinsen unterdrücken. Immerhin waren Sie entkommen, lebend, und mit ein paar Silberlingen im Gepäck. Es hatte zwar danach ein paar Tage gedauert bis sie und Eric von dem Planeten wieder verschwinden konnte – sie hatte keine Ahnung mehr wie der Steinklumpen genau geheißen hatte. Aber wenn man genau darüber nachdachte war es eigentlich eine ziemliche Leistung gewesen das Schiff punktgenau in dem einzigen Wasserloch zu versenken das es über Meilen entfernt auf der Oberfläche gegeben hatte.

‘… Programmieren Sie bitte den Sprung und bringen Sie uns im Zielsystem sicher bis zum Raumhafen.’ In Gedanken wiederholte sie den Satz, biss sich auf die Lippe und nickte. Das schien einfach zu werden. In der Theorie.

Ihr Blick huschte kurz zu Kahanamoku und seinem fast unschuldig wirkendem Blick. Nein, sie war sich sicher, dass er einige spannende Überraschungen für sie eingebaut hatte …

“In Ordnung.”, bestätigte Jayne nun, schob die Ärmel etwas nach oben und nahm im Pilotensessel Platz.

Hemolele, Maschinenraum

“So, da wären wir – dies hier ist das Reich der Techniker”, mit einer weitausholenden Armbewegung stellte Lani ihrem potentiellen neuen Cheftechniker sein neues Arbeitsgebiet vor.

Sie gab ihm ein paar Augenblicke Zeit, sich einen Überblick zu verschaffen, dann steuerte sie zielsicher eine Ecke des Raumes an, während sie weitersprach.

“Koamalu hat es gut – vermutlich sitzt er jetzt da oben ganz bequem in seinem Kapitänssessel und guckt sich an, wie die Computersimulation Miss Flyingpaw auseinandernimmt. Oder umgekehrt, wenn sie so gut ist, wie sie sich einzuschätzen scheint.”, sie lachte Kryss fröhlich an.

Lani hatte sich umgekleidet. Sie trug nun eine schmal geschnittene grüne Hose, ihre Füße steckten in Stiefeletten aus weichem Leder. Ein cremefarbenes Oberteil mit auffälliger Schnürung am Ausschnitt sowie eine ebenfalls grüne Weste mit Goldstickerei komplettierten ihren Auftritt.

“Wir hier in der Technik verfügen leider über keinen solchen Simulator”, ein kurzes Seufzen, dann wieder ein Grinsen. “Die Maschine ist in einem guten Zustand, daher kann ich Sie da auch nicht ranlassen. Aber der Kamerad hier – der braucht Ihre Zuwendung, das werden Sie verstehen!”, Lani war neben einem Droiden stehen geblieben, der an der Wand saß. Das, was von ihm übrig war.

“Wir haben ihn auf Delara VI gefunden. Fragen Sie mich nicht, warum wir ihn mitgenommen haben, vermutlich, weil uns so ein uraltes Teil von Droide noch nicht über den Weg gelaufen ist. Vielleicht wäre es spannend, das Wissen aus seinen Speicherbänken zu bekommen, er muss verdammt alt sein.”, Lani zuckte die Achseln. “Vielleicht wiederum hat er auch überhaupt nichts Interessantes in diesen Speichern. Oder auch gar nichts mehr, alles gelöscht. Wer weiß…”, sie blickte Kryss auffordernd an.

“Ich habe schon angefangen, ein wenig an ihm herumzubasteln”, lachte sie und ging neben dem Droiden in die Knie. Sie schob Kryss einen Werkzeugkasten zu und vertiefte sich in dem Inhalt des Zweiten. “Legen Sie los, vielleicht haben Sie mehr Erfolg als ich!”

Etwas skeptisch blickte Kryss zwischen dem Werkzeugkasten und dem Altertum an Droiden hin und her. Also das war ja mal etwas, was einem nicht allzu oft über die Füße lief. Und er hatte bei der Rebellion schon so Einiges an fragwürdigem Stück Technik gesehen. Da war zum Ende hin eigentlich so alles zum Einsatz gekommen, was sich irgendwie noch verwenden ließ. Glücklicherweise war er da selbst mit dran beteiligt gewesen, weswegen er hier für diese Aufgabe eigentlich keine allzu großen Probleme auf sich zukommen sah. Hauptsache, es gab einen Hammer.

Er ließ sich auf die Knie herunter und öffnete den Kasten. Wie erwartet war die Standardausstattung arg lückenhaft, aber eine Reaktion darauf ließ er sich natürlich nicht entlocken. Interessiert wühlte er sich durch den Inhalt; und zog eine tote Maus aus der Kiste. Etwas angewidert ließ er das vertrocknete Ableben vor Lani herum baumeln und meinte trocken: “Also ich bezweifle, dass die hier mit irgendwas an Bord kompatibel ist. Außer mit einer noch größeren und gefräßigeren Version ihrer selbst.”

Er blickte sich nach einem Müllbehälter um, konnte jedoch keinen finden. Mit einem Schulterzucken legte er sie wieder an ihren Fundort und setzte seine Suche nach einem Hammer fort. Dabei bemerkte er schon, dass zum einen der Blick Lanis auf ihm lag und zum anderen natürlich die vorliegenden Werkzeuge seine Arbeit an dem Droiden immens erschweren würde. Wie zu erwarten gewesen war, schließlich war das hier eine Prüfung und es war nur legitim, den Probanden ordentlich ins Schwitzen zu bringen.

Kryss sah es aber relativ locker. Schließlich hatte er eigentlich fast alles immer wieder ins Laufen bekommen. Wobei … hier bei dem Haufen Altmetall von Laufen zu sprechen, das war doch definitiv etwas zu optimistisch. Das, was von den Bewegungseinheiten übrig war, würde im Leben keine anständige Gravitation aushalten. Aber das war ja nun erst einmal nicht das Hauptziel. Die Speicherbänke waren ihr Ziel, zum Glück. Ganz unten, in der letzten Ecke fand er dann endlich das gesuchte Werkzeug. Prima, dann konnte es ja losgehen.

“Ich hoffe”, begann er ein Gespräch mit Lani, während er sich an die ersten Wartungsklappen machte, “der Captain handelt nicht nur mit solcher Ware wie diese hier. Sonst glaube ich, muss ich mir doch einen lukrativeren Job suchen. Denn kein Mensch gibt für so etwas doch nur einen müden Credit aus, oder?”

Schließlich gab es die Rebellion nicht mehr; die hätten in ihrer Not bestimmt auch hierfür noch was springen gelassen. Und selbst Jawas hatten heute ihren Stolz.

“Ich bin aber wohl ebenso gespannt wie Sie, ob und was wir hier finden werden”, bemerkte er mit einem Lächeln und überbrückte das erste Energierelais.

Mit spitzen Fingern ergriff Lani die Maus am Ende ihres Schwanzes und hob sie in die Höhe. Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen und beinahe hätte man sich einbilden können, dass sie sich ein wenig sträubten.

Ohne auf Kryss’ Worte einzugehen, erhob sie sich und marschierte zu Regal, einem Techniker niederen Ranges, der lässig an einer Wand lehnte und den Prüfling eingehend musterte. ‘Fehlt gerade noch, dass er an einem Grashalm kaut, wie er da so steht’, dachte Lani. Dann streckte sie den Arm aus und ließ das Corpus deliciti vor Regals in braunen Stiefeln steckenden Füßen fallen.

“So etwas will ich nie wieder in der Hemolele finden. Weder in einem Werkzeugkoffer noch sonst irgendwo. Kümmern Sie sich darum –ich lasse Sie persönlich an den Zehen aufhängen, wenn so etwas noch einmal passiert!” Mit großen Augen blickte Regal erst seine Vorgesetzte, dann die Maus und dann wiederum seine Vorgesetzte an.

Dann hob sich eine braune Augenbraue. “Igitt”, antwortete er trocken, bückte sich und hob das mumifizierte Tier auf, mit ebenso spitzen Fingern wie vorher Lani. “Selbstverständlich kümmere ich mich darum. Ich hänge an meinen Zehen!”, er drehte sich um und verließ mitsamt Maus den Maschinenraum.

Lani grinste und wandte sich wieder um. Sie wusste genau, dass Regal ihre “Drohung” richtig verstanden hatte. Dennoch war ihm klar gewesen, dass ihr das mit dem Nagetier ernst gewesen war und sie so etwas nie wieder sehen wollte. Die Hemolele war ein sauberes Schiff.

Proto hatte offensichtlich die Droiden der Wartungs- und Putzkolonne nicht im Griff. Da musste Lani einmal nachhaken.

Wieder bei Kryss angekommen, nahm sie nun den Gesprächsfaden wieder auf.

“Ich fürchte, dieses Teil hier liegt weniger in des Captains Interesse als in meinem,” sie schnippte ein imaginäres Stäubchen von ihrem Hosenbein. “Alte Technologien haben mich immer schon interessiert. Und Geschichten. Das Geschichtenerzählen ist eine lange Tradition auf Iokua Akoni. Es interessiert mich brennend, was dieser hier für eine Geschichte zu erzählen weiß…”

Unbewusst krümmte Kryss die Zehen und versuchte, ohne eine besondere Reaktion weiter zu machen. Nicht das er sich große Sorgen um seine Zehen machte; schließlich hatte er sie sich beinahe auf Hoth abgefroren, aber er war gerade an ein paar Bauteilen angelangt, die höchste Konzentration erforderten. Ein falscher Werkzeugansatz oder zu viel Spannung und er konnte zurück nach Mos Eisley und ein paar dubiose Schrotthändler nach passenden Ersatzteilen abklappern. Bestimmt nicht das Prüfungsziel, wenn er Lani eingehender betrachtete. Und zurück in diesen grausigen Staub; nein danke. Er hatte das Gefühl, immer noch Sand in den Schuhen und an anderen ungemütlichen Stellen zu haben, dabei hatte er sich geduscht und umgezogen.

“Ich dachte, Sie und der Captain kommen vom gleichen Planeten?” Er war sich nicht ganz sicher, ober er da jetzt etwas falsch mitbekommen hatte oder Lani ihn absichtlich in die Irre leitete. Für solche Dinge hatte er noch nie ein vernünftiges Gespür gehabt. Vielleicht ein Grund, warum er sich mit Technik befasste und weniger mit Menschen.

Kurz kramte er in der Werkzeugkiste nach einem Phasentrenner und stellte ihn auf einen niedrigen Wert ein. Mit der linken Hand versuchte er einen Stecker auf dem zentralen Kommandoprozessor zu befestigen, während er das kleine Werkzeug mit ruhiger Hand an die entsprechende Energiezuleitung hielt.

“Wären Sie vielleicht kurz mit einem Auge zur Hilfe bereit und halten den Energiepegel im Blick? Sobald der Wert über 80 steigt, geben Sie bitte direkt Bescheid.”

“Aber gerne doch!”, Lani ließ sich auf ein Knie herab, um den Energiepegel besser ins Auge fassen zu können. “Ja, Sie haben Recht, wir stammen vom gleichen Planeten. Tatsächlich sind wir zusammen aufgewachsen, wenn wir uns auch lange aus den Augen verloren hatten”, eine weißblonde Augenbraue wanderte leicht nach oben, ungefähr in dem Maß, in dem der Energiepegel stieg.

“Wir haben noch ein Stück bis 80, aber wir nähern uns dem Ganzen”, informierte sie den Techniker, woraufhin sie sogleich ihr Gespräch wiederaufnahm. Wenn er konzentriert arbeiten und sich gleichzeitig unterhalten konnte, sprach das eindeutig für ihn.

“Aber bloß weil wir vom gleichen Planeten stammen, bedeutet das nicht, dass er sich auch für schrottähnliche Droiden und ihre Speicher interessieren muss.”

Mos Eisley, Markt

Es dauerte nicht lange und der Koch kam zu den ersten Marktständen. Der Markt in Mos Eisley war länglich gestaltet. Dort, wo mehr Häuser standen, fand man nur einen Marktstand. Dort, wo mehr Platz vorhanden war, standen sich welche gegenüber. Es war alles sehr geräumig. Vereinzelte Einkäufer gingen mit ihren großen Lastentieren durch die Marktstraße und machten es etwas unübersichtlich. Die meisten Stände waren aus Holz gebaut. Sie besaßen eine große Auslage, auf denen die Waren feilgeboten wurden und hatten zumeist ein Dach aus Tuch, das Schutz vor der Sonne bot.

Insgesamt war einiges los und Kandor benötigte recht lange, bevor er die Zwillinge entdeckte. Ihm fiel zuerst ein Stein vom Herzen, als er sah, dass sie sich an die von ihm vorgeschlagene Kleidung gehalten hatten und eine Kapuzenrobe trugen. Er hatte ihnen damals eine braune unauffällige Robe vorgeschlagen, aber die beiden bestanden darauf, dass sie die gleiche Robe haben wollten wie Kandor: eine graue nach vorne geöffnete Kapuzenrobe. Ihrer Meinung nach machte man das so in einer Familie. Der Dathomiri hatte nicht gewagt, zu fragen, wie sie das meinten, sprich in welcher Beziehung sie ihrer Meinung nach zueinander standen. Für ihn stand fest, dass er die beiden, komme was wolle, beschützen würde. Sie hatten ihn, genau wie der Captain und Lady Lani nach der Flucht von dem Planeten im Nirgendwo freundlich auf der Hemolele aufgenommen. Ohne ihre Unterstützung hätte er sich wohl kaum so gut zurecht finden können und sich in die Mannschaft integrieren können. Letzten Endes war seine heutige freundliche Art ihnen zu verdanken.

Er näherte sich den beiden mit wachsamen Augen. Im Gegensatz zu seinem Rat hatten sie die Kapuzen nach hinten geschlagen, sodass ihre Montrals gut erkennbar waren. Die hohlen Hörner waren blauweiß gestreift. Sie verliefen an der Seite des Schädels hinab. Die tiefrote Hautfarbe im Gesicht war durch weißliche Flächen rund um die Augenpartien, welche hoch bis zur Stirn reichten, durchbrochen. Ein roter Hautstreifen, der über die feine, kleine Nase ging, teilte die weiße Stelle symmetrisch in zwei Teile und mündete in feinen ,grauen Lippen.

Natürlich zogen so schöne Gesichter die Aufmerksamkeit der Leute auf sich. Doch der Mensch hinter dem Tresen des Marktstandes blickte ängstlich auf den Twi’lek, der auf die beiden Togrutas einredete. Hinter diesem standen rechts und links ein Trandoshaner und ein Rodianer. Das gefiel Kandor gar nicht. In dem Dathomiri kochte Kampfeslust hoch. Mit jedem Schritt näher wurde ihm klarer, dass es schwer für ihn sein würde, sich zurückzuhalten und die drei nicht einfach abzuschlachten. Trandoshaner … nichts verachtete er mehr. Seine Aufmerksamkeit erhöhte sich drastisch. Seine sonst freundlich strahlenden roten Augen verloren ihr Leuchten. Sie wurden fahl.

“Kandor”, rief Mara-Ta ihm fröhlich zu. “Kandor, wir sind hier”, winkte Mira-Ti ihm zu.

Hemolele, Kommandobrücke

Die Instrumente vor Jayne waren in der Anordnung etwas anders als bei ihrer ersten Korvette. Auf einem kleinen Display in der rechten unteren Ecke leuchtete ein kleiner grüner Punkt. Das Zielsystem, es war etwa vier Lichtjahre entfernt.

Jayne legte ein paar Schalter um und startete die Maschinen aus dem Stand By-Modus. Die Anzeigen für die elf Ionenturbinen wechselten von einem tiefen Rot in flackerndes Gelb und dann nach einigen Momenten in ein beständiges Grün. Wobei Turbine vier und fünf nicht ganz synchron zu laufen schienen.

Das sollte zwar fürs erste kein Problem darstellen, aber sie musste es im Auge behalten.

“Startsequenz eingeleitet. Wir erhalten Freigabe von der Oberfläche, die Atmosphäre zu verlassen …”, kommentierte sie eine Meldung vom Tower.

“Nun, gut, dann mal los.” Die Stimme kam aus ihrem Rücken, sie wusste nicht, ob es die des Captains war oder die eines der fiktiven Crewmitglieder, doch das spielte wohl keine Rolle. Die Welt um sie herum schien sich fast aufzulösen, als sie das Steuerruder mit der linken Hand umfasste und vorsichtig nach hinten zog, während ihre rechte Hand den Hebel für die Höhenkontrolle ebenfalls nach unten zog.

Die Triebwerke wurden lauter und wenige Momente später hob die Hemolele mit einem sanften Ruck vom Boden ab. Als sie zweihundert Meter über der Landebucht waren drehte Jayne das Schiff in Richtung Norden, flog in einem weiten Bogen um eine Wetterstation herum und zog das Schiff weiter nach oben in die Exosphäre.

Resümee bis hier hin: eine CR 90 Korvette war deutlich leichter zu starten als heil zu landen. Der Vergleich hinkte natürlich. Dies war eine Simulation und bis jetzt war alles nach Plan verlaufen. Niemand saß ihnen im Nacken, der sie abschießen wollte … bis jetzt.

Der Hyperraum öffnete sich in einem altbekannten, leuchtenden Hellblau und wenige Sekunden später zogen die Sterne in langen Streifen an ihnen vorbei, als sie die Schwelle mit einem Ruck und einem Schlingern überwunden hatte.

“Upps.” Das Schlingern wurde stärker und ein Blick auf die Anzeige verriet ihr, dass Triebwerk fünf ausgefallen war. Na klar. Mit zwei kurzen Handgriffen versuchte sie, das Triebwerk einzeln neu zu zünden. Jedoch ohne Erfolg. Es leuchtete weiter rot und fast schon hämisch vor sich hin.

‘Bist du nicht willig…’ Jayne legte einen weiteren Schalter um und überbrückte damit ein Sicherungsrelais in der Steuerkonsole. Nicht ganz im Sinne der Techniker, doch der Zweck heiligte ja bekanntlich die Mittel. Sie hatte keine Lust bei fast voller Geschwindigkeit wieder aus dem Hyperraum geschleudert zu werden. Auch wenn es nur eine Simulation war.

Ein Knacken kam aus dem hinteren Teil des Schiffes, dann machte es einen kurzen Ruck nach vorne und flog wieder ruhig. Die Anzeige an ihrer Konsole wechselte von rot nach grün. Ein kurzes Grinsen huschte über ihr Gesicht. ‘Siehste…!’

Ein Blick über die Schulter zeigte ihr die nicht wirklich aufschlussreiche Miene des Captains, der sich seit ihrem Start nicht wirklich bewegt zu haben schien.

“Austritt aus dem Hyperraum im 10 Sekunden.”, kommentierte Flyingpaw dann nach einigen Minuten mehr zu sich selbst. “drei, zwei…”

Die letzte Zahl blieb ihr förmlich im Hals stecken, als der Weltraum um sie herum mit einem Mal zu explodieren schien und das Schiff nun doch brachial aus dem Hyperraum geschleudert wurde. Taumelnd fielen sie nach unten – oder in die Richtung, die ihr Gleichgewichtssinn als unten vorgaukelte.

Jaynes Füße fanden Halt am Fuß des Stuhles, dann riss sie instinktiv das Steuer nach links, um einem herannahenden Torpedo aus zu weichen, der sie nur knapp verfehlte. Die Triebwerke heulten mit einem ohrenbetäubenden Kreischen auf und irgendwo in ihrem Unterbewusstsein hörte sie das Wort “Ausweichmanöver…” rufen – von wem? Sie konnte es nicht zuordnen. Doch im Prinzip spielte es keine Rolle. In ihrem Bewusstsein existierte nun nur das Schiff, das wie eine Verlängerung ihres Bewusstseins nach links und rechts tanzte, um dem Sperrfeuer ihres Empfangskomitees auszuweichen. Fast vergaß sie, dass die Realität um sie herum nicht echt war.

Mos Eisley, Markt

Die Aufmerksamkeit des Twi’leks und seiner beiden Begleiter wandte sich dem Neuankömmling zu.

“Kandor, stell Dir vor”, begann Mira-Ti den Satz. “Dieser freundliche Mann hier hat uns auf seine Segelbarke nach Mos Espa eingeladen”, beendete Mara-Ta den Satz.

“Das ist aber sehr freundlich von dem Mann”, antwortete der Koch. ‘Mos Espa, klar, direkt auf den Sklavenmarkt’, war sein erster misstrauischer Gedanke. “Habt Ihr beiden etwa vergessen, dass wir für sowas keine Zeit haben? Wir waren uns doch einig, für den Captain und die Crew heute ein Essen zuzubereiten, für das Tatooine berühmt ist”, ergänzte er leicht vorwurfsvoll.

Der Twi’lek musterte den Neuankömmling mit der grauen Kapuzenrobe. Da er sein durch die Kapuze verborgenes Gesicht nicht sehen konnte, fiel es ihm schwer, ihn einzuschätzen. Aber bei dem Worten ‚kochen‘ begann er selbstsicher zu grinsen.

“Aber stell Dir vor, der nette Herr sagte”, fing Mara-Ta diesmal den Satz an. “Es sei nur eine Stunde mit der Segelbarke dorthin”, endete Mira-Ti. “Und außerdem soll es dort viel bessere Kräuter geben”, ergänzte Mara-Ta hoffnungsvoll.

“Das ist vollkommen richtig”, bestätigte der Twi’lek schnell. “Der Markt ist viel größer, vielfältiger und es gibt dort die außergewöhnlichsten Kräuter und Gewürze”, pries er weiter an.

Kandor schüttelte den Kopf. Nun war es wirklich sonnenklar, vor ihm standen mit Sicherheit Sklavenjäger. Kein Wunder, dass der Händler hinter dem Marktstand Angst hatte.

“Da muss ich aber leider dem freundlichen Twi’lek widersprechen. Er muss da etwas durcheinandergebracht haben. Ich komme gerade aus der Richtung und habe gelesen, dass der Hinflug alleine schon mindestens 6 Stunden brauchen soll. Diese Zeit haben wir nun leider wirklich nicht. So verlockend es auch ist. Es tut mir sehr leid, euch enttäuschen zu müssen”, widersprach er ihnen diplomatisch.

Das Gesicht des Twi’leks gefror regelrecht. “Du willst doch nicht damit andeuten, ich wäre ein Lügner, Junge, oder?”, fragte er aufbrausend.

“Nicht doch, nicht doch”, versuchte Kandor zu beschwichtigen. “Ich sagte nur, dass Sie sich geirrt haben müssen. Nichts weiter.”

Der Trandoshaner zischte etwas von “… Beute …”

Daraufhin nickte der Twi’lek und schob seinen Umhang auf die Seite. Seine rechte Hand schob sich wie von selbst über den Kolben seines Blasters. Seine beiden Kameraden taten es ihm gleich. “Ich glaube, Du hast da etwas missverstanden Junge. Wir sind auf 5 Systemen zum Tode verurteilt. Ihr werdet uns nach Mos Espa begleiten, so oder so”, drohte er nun offen.

Die beiden Frauen positionierten sich wie von selbst hinter Kandor. Dieser schüttelte den Kopf. Über so viel Dummheit musste er einfach immer wieder staunen. “Sie wollen uns doch nicht auf offener Straße attackieren und entführen? Das ist gegen das Gesetz! Überlegen Sie sich das bitte nochmal”, versuchte der Koch, seinem Gegenüber nochmal ins Gewissen zu reden.

“Gesetz, Gesetz?”, fragte der Rodianer vor Lachen glucksend. “Der ist lustig, Sig”, stellte er, sich auf den linken Schenkel klopfend, fest. “Es gibt kein Gesetz auf Tatooine.”

“Oh doch, es gibt das Gesetz auf Tatooine.”, schnitt eine tiefe Stimme durch die staubige Luft der Straßen Mos Eisleys. Mit großen, langsamen Schritten trat der Sheriff auf die Gruppe zu. Seine Augen blitzten unter dem schwarzen Stetson hervor. Beiläufig ließ er seinen Seesack von der Schulter gleiten, während er seinen langen Mantel auf beiden Seiten zurückschlug. Zum Vorschein kamen zwei silbern glänzende DL-44 Blasterpistolen ohne Zielfernrohre, die locker in ihren Halftern saßen.

Roger zog weiter die Aufmerksamkeit auf sich, um Kandor die Gelegenheit zu geben, die beiden Togruta unauffällig ein wenig aus der Schusslinie zu nehmen. Der Dathomiri war alleine sicherlich nicht auf Schützenhilfe angewiesen. Mit zwei Schutzbefohlenen an der Seite sah das in der Regel aber ganz anders aus.

Mit der rechten Hand deutete Kandor in Richtung des Marktstandes neben ihnen. “Schnell in Deckung! Auf den Boden!”, befahl er den Zwillingen. Sie wie auch der Verkäufer des Standes warfen sich in den Staub hinter dem Stand. Rings um sie reagierten die anderen Verkäufer und Besucher auf gleiche Weise.

Der Rodianer sprach jetzt in seiner Sprache eindringlich auf seine Gefährten ein, die der Sheriff nur zu gut verstand. Die Aussicht auf den Gewinn mit den beiden Mädchen freute ihn sichtlich und er forderte, einfach kurzen Prozess zu machen.

Diese Sekunden der Ablenkung nutzten Roger und Kandor zu einer geräuschlosen Abstimmung und nickten sich gegenseitig zu.

“Chespo kutata kreesta krenko, nyakoska!” (Darauf habe ich schon lange gewartet.), insistierte der Rodianer noch. Roger verzog sein Gesicht zu einem Lächeln und unterbrach ihn ruhig.

“Das kann ich mir vorstellen.”

Blitzschnell zog Roger seine Blaster und schoss als erster. Zwei rote Strahlen erfassten den Körper des Rodianers, der den dahinterstehenden Twi’lek mit sich zu Boden riss.

Kandor wich den beiden fallenden Körpern aus und schnellte nach vorne. Währenddessen griff seine rechte Hand unter die Robe zu seinem Schwert. Mit wenigen Schritten erreichte er den hastig nach seinem Blaster greifenden Trandoshaner.

Während zwei schnellen Schritten steckte Roger seine Blaster weg und setzte über den Tisch, um sich auf den Twi’lek zu werfen. Dieser befreite sich gerade von dem leblosen Körper des Rodianers und zielte mit seinem Blaster in Richtung Kandors. Roger hatte zu viel Schwung und flog ein wenig zu weit, schaffte es aber, dem Twi’lek den Blaster aus der Hand zu schlagen.

Schnell standen beide Kontrahenten auf und blickten sich zornerfüllt in die Augen, bevor sie aufeinander zustürmten. Der Alderaaner bückte sich unter dem rechten Schwinger des Sklavenjägers hinweg, der dafür seinen Hut vom Kopf wischte. Den Schwung der Deckung nutzend krachte seine linke Faust in die rechte Seite des Twi’lek, der sich schmerzerfüllt krümmte.

Der Dathomiri zog aus der Bewegung sein Schwert aktivierend heraus. Ein rötlich schimmernder Energiemantel schloss das Schwertblatt ein. Summend führte er es von unten nach oben durch den Oberarm seines Gegners, als schnitte er durch Butter. Der Arm mit dem Blaster fiel auf den Boden, während der Schmerzensschrei des Trandoshaners durch die Gassen gellte. Er endete abrupt, als der Folgeschlag quer durch seinen Oberkörper ging und ihn teilte.

Noch bevor der Twi’lek wieder zur Besinnung kommen konnte, griff Roger nach einem seiner Lekku und wickelte ihn um den Hals seines Besitzers. Pein erfüllt wurden seine Schreie erstickt. Roger wollte seinen Griff gerade lockern, um seinem Gegner die Chance zur Aufgabe zu geben, als er selber einen heftigen Schmerz verspürte. Der Twi’lek hatte eine Klinge gezogen und sie in seinen Oberschenkel gerammt. Gerade hatte der Alderaaner dies erkannt, als die Klinge zum erneuten Stoß hochgerissen wurde.

Mit zerknirschten Gesicht spannte Roger seine Muskeln bis zum Bersten an und brach dem Twi’lek mit einem lauten Knacken das Genick.

Der Sheriff tötete nicht gern. Aber gesuchte Sklavenjäger… darum trauerte er wirklich nicht besonders.

Mit schmerzverzerrtem Gesicht richtete sich Roger auf, blickte auf seine Wunde, die zum Glück nicht besorgniserregend zu sein schien, und drehte sich zu Kandor um.

“Tut mir leid, die Sauerei”, sagte er sarkastisch.

Kandor drehte sich zu Roger um. Seine Feuerklinge verlängerte seinen rechten Arm nach unten und der rötliche Energiemantel verlosch beim Deaktivieren. Mit der linken Hand zog er die Schwertscheide leicht hervor während er die Klinge sorgsam zwischen Daumen und Zeigefinger zurück steckte.

“Welche Sauerei denn?”, fragte er ernst zurück. “Erst wenn ich ihn häute, so wie sie es mit ihrer Beute tun, dann wird es eine Sauerei”, ergänzte er verbittert.

Der Geruch von verbranntem Fleisch breitete sich hinter ihm aus.

Die Zwillinge hoben ihre Köpfe und blickten zu den beiden Männern. “Kandor …”, rief Mara-Ta, während sie auf ihn zu rannte, “… bist Du verletzt?”, fragte Mira-Ti besorgt. Schnell erreichten sie ihren Koch und umarmten ihn erleichtert. Daraufhin veränderte sich auch sein Augenausdruck von fahl zu den für ihn typischem Leuchten.

“Es geht mir gut”, beruhigte er sie. “Ich bin unverletzt.” Er nahm sie fest in seine Arme während er erleichtert sagte: “Der Sternen sei Dank, euch ist nichts passiert!”

Sein Blick schweifte über den Markt und blieb an Roger hängen. Er lächelte glücklich. “Danke! Ich weiß nicht, wie wir das ohne Ihre Hilfe geschafft hätten. Sie sind ein echter Held.”, sprach er ihn dankbar an.

Hemolele, Kommandobrücke

Einige Minuten vergingen, in denen die Hemolele durch die Reihen ihrer Angreifer tanzte. Mittlerweile hatten sie Triebwerk sieben und Nummer neun verloren, in Nummer elf hatte es nach dem Treffer durch einen Laserstrahl zu brennen begonnen. Wieder und wieder begann das Schiff zu schlingern. Ein Blick auf das taktische Display verriet Jayne, dass die Besetzung für die Kanonen ihre liebe Not hatte, etwas Sinniges zu treffen. Ihr Blick huschte wieder einmal über die Schulter – der Captain schien wohl kein Interesse daran zu haben, an der Simulation aktiv teil zu nehmen.

Nun, was solls. Mehr als durch die Prüfung fallen konnte sie ja nicht. Mit einem Schulterzucken wandte sie sich wieder ihrer Konsole zu.

“Waffen!”, versuchte sie den allgemeinen Krach zu übertönen. Der Waffenoffizier, ein etwas untersetzter Mensch blickte kurz auf, um seine Bereitschaft zu signalisieren.

“Ich fliege uns jetzt direkt auf das Flaggschiff unserer Angreifer zu – Hier: das hier!” Ihr Finger huschte kurz nach oben um auf ein etwas größeres Schiff an achtern zu deuten, das sich die ganze Zeit verdächtig im Hintergrund zu halten schien.

“Wenn ich jetzt sage, dann schießen sie mit allem, was sie haben auf dessen Triebwerke, verstanden?”

Jayne konnte die Antwort des Mannes nicht mehr verstehen, da im selben Moment eine Konsole zu ihrer Linken explodierte und sie das Schiff instinktiv nach rechts fallen ließ. In einer engen Kurve, also das was für eine Korvette ein enge Kurve war, zog sie das Schiff wieder nach oben. War das Schiff anfangs noch halbwegs wendig, fühlte es sich nun – mit den fehlenden Triebwerken – an, als würde sie einen Klotz fliegen.

Der Begriff des Tanzens kam ihr wieder in den Sinn … Mambo – mit einem Betonklotz …

Einige Augenblicke später, sie konnte nicht sagen ob es Sekunden oder Minuten waren, ließ Jayne die Hemolele im Sturzflug nach unten, dem vermeintlichen Flaggschiff entgegen, fallen und zog das Ruder ruckartig nach hinten – kurz bevor sie kollidiert wären. Was beinahe auch passiert wäre, es hatten nur ein paar Meter gefehlt.

Die dadurch entstandenen G-Kräfte drückten sie unbarmherzig in den Pilotensessel und ihr Magen gab ihr eindeutig zu verstehen, dass sie nun bald die Grenze der Belastungsfähigkeit erreicht hatten. Das Adrenalin in ihrem Blut kroch ihr über den Rücken und zauberte ein Grinsen auf ihr Gesicht.

Oh, sie hatte so etwas vermisst!

Das Schiff sauste nun an der Außenhülle des fremden Schiffes entlang und Jayne nahm keine Rücksicht mehr auf abstehende Teile wie Antennen oder kleinere Ausleger, wichtig war nun nur noch, das Schiff gerade zu halten und im richtigen Moment alles aus den Triebwerken heraus zu kitzeln, was ging.

“Jetzt!”, rief sie, um das Kreischen von Metall auf Metall zu übertönen. Im nächsten Moment überflogen sie wie angekündigt die Triebwerke des Schiffes und ein gewaltiger Ruck liess das Schiff erbeben.

Jayne wusste, dass der Mann an den Waffen getroffen hatte, hinter ihnen dürfte sich in diesem Moment eine riesige Explosion ereignen, dessen erste Energiewelle sie gerade getroffen hatte.

“21, 22, 23, 24…” Die Hemolele erzitterte ein weiteres Mal, als die Hauptenergiewelle der Explosion sie erreichte. Jaynes Hand schnellte zum Schalter für den Hyperraumantrieb und zündete ihn, nur um ihn sofort wieder aus zu schalten. Doch der kurze Energieschub reichte bereits aus, um das Schiff nach vorne zu katapultieren, heraus aus dem Getümmel der angreifenden Schiffe und weit weg von deren tödlichen Laserkanonen.

Für etwas mehr als dreißig Sekunden konnten sie nun praktisch auf der Bugwelle der Explosion surfen. Es rumpelte noch einmal ordentlich und die Pilotin wäre beinahe aus dem Stuhl geschleudert worden, als die Wirkung ihres indirekten Antriebs verebbte, dann lag die Hemolele weder ruhig im All – etwa fünfhundert Kilometer entfernt von ihren Angreifern.

Ihr eigentliches Ziel, die programmierte Raumstation, war nun nur noch einige hundert Meter an steuerbord und Jayne hielt direkt darauf zu.

Ein kleines, gelb blinkendes Lämpchen an einer nahen Konsole signalisierte, dass sie von der Station gerufen wurden.

“Willkommen an der Raumstation von Epsilon Center 69! Wir haben Sie bereits Erwartet, Hemolele! Bitte docken sie an Arm 66 an. Ich hoffe, Sie hatten einen angenehmen Flug!”

Die blecherne Stimme des Androiden hallte durch das Cockpit und fast hätte Jayne angesichts dieser Ironie zu lachen begonnen. Sie musste sich ernsthaft auf die Innenseite ihrer Backe beißen, um dies zu verhindern.

Ihr Blick huschte zu einem Geräusch an der Waffenstation, wo der eben noch mit den Lasern beschäftigte Mann – vermutlich ein Offizier – sich an der Konsole abdrückte und erschöpft den Kopf zwischen den Armen hängen ließ. Er war sichtlich grün im Gesicht geworden.

Jayne fragte sich, ob es diese Person wohl auch außerhalb der Simulation gab und wie es wohl in der Realität um die Widerstandsfähigkeit seines Magens bestellt sein würde. Hoffentlich hielt er in der Realität etwas mehr aus.

Vorsichtig manövrierte die Pilotin das Schiff nun an ihren Anlegeplatz, ließ die Triebwerke langsam herunterfahren und stellte alles auf Standby.

Sie strich mit der flachen Hand noch einmal über das Steuerpult, wie eine kleine Verabschiedung. Ein nettes Schiff. Dann stand sie auf und wandte sich erwartungsvoll an Kahanamoku.

“Ein paar kleine Kratzer, tut mir leid. Aber wir wären nun da.”

Im Hintergrund konnte man ein leichtes Würgen vernehmen. Anscheinend hatte sich der Waffenoffizier doch noch übergeben müssen. Ein eigenartiges Detail der Simulation, bemerkte die junge Frau. Doch sie behielt ihre Gedanken für sich.

Hemolele, Maschinenraum

“Jedem das Seine”, antwortete Kryss, unterbrach die Phase und leitete sie über einen anderen Subprozessor um. Schnell noch versiegelt und fertig war alles für den ersten Versuch. “Ich muss ja zugeben, in Sachen Hobbies gibt es bei mir nichts wirklich Interessantes. Von ein paar technischen Spielereien mal abgesehen.”

Er klopfte sich nicht existenten Staub von der Hose und erhob sich. “So, ich denke, wir können den ersten Probelauf an Ihrem Kollegen hier starten.” Er reichte ihr den Energiemodulator zum Einschalten des Droiden und machte einen vorsichtigen Schritt zurück. Nicht, dass er Angst hatte, der Schrotthaufen würde explodieren, doch er hatte schon so Einiges gesehen und Vorsicht war nun mal die Mutter der Porzellankiste.

“Bereit, wenn Sie es sind”, grinste er breit. “Erwarten Sie im ersten Moment aber nicht zu viel von unserem Freund hier, ich habe bisher nur die niederen Datenebenen aktiviert. Schließlich wollen wir seinem antiquarischen Energiesystem nicht zu viel zumuten.”

Amüsiert betrachtete Lani den neuen Techniker. Bislang hatte er sich gut angestellt, wenn dieses Stück Elektroschrott nun tatsächlich… Nun, man würde sehen.

Sie betätigte den Energiemodulator und wartete. Nichts geschah.

Eine weißblonde Augenbraue wanderte in die Höhe, ein fragender Blick wandte sich an Kryss. “Nun, Ihr vorsichtiger Schritt zurück war offensichtlich unnötig, der Bursche hier scheint nicht das geringste Interesse an uns zu haben.”

Noch während sie sprach, betätigte Lani den Modulator ein weiteres Mal, diesmal ein wenig länger. Diesmal tat sich etwas. Die Schaltkreise des Droiden schienen zu zischen, flackerndes Licht zeigte sich in seinen bislang so toten Augen. Anerkennend wanderte die zweite weißblonde Augenbraue nach oben.

Der Droide versuchte sich zu erheben, was ihm sehr schwer fiel. Kein Wunder, wenn man seinen Zustand betrachtete. “Du kannst sitzen bleiben, Droide”, meinte Lani und war gespannt, ob dieser ihre Anweisung verstand. Anscheinend war dies der Fall, denn weitere Aufstehversuche unterblieben, dafür wandte sich der Kopf des Droiden in ihre Richtung.

Der eine übrig gebliebene Arm des Droiden bewegte sich aufwärts – und die Maschine erstarb in Regungslosigkeit.

Lani seufzte. “Das war dann wohl zu viel für den Mechanismus”, sie reichte den Modulator an Kryss weiter. “Haben Sie noch eine Idee?”

“Hm, das war zu erwarten gewesen”, sagte Kryss mehr zu sich selbst und kratzte sich mit dem Energiemodulator im Nacken. “Aber wir sollten noch nicht das Handtuch werfen.” Er blickte sich im Raum um und fand an der gegenüberliegenden Seite das, was er gesucht hatte. Er drückte Lani den Modulator wieder in die Hand und ging zu dem 2 Meter langen Kabel, was an einer Wandverkleidung hing und nicht danach aussah, als wäre es zurzeit in Benutzung. Zwei passende Stecker waren auch schnell gefunden und mit Lanis Hilfe waren sie ebenso schnell montiert.

“Wir versuchen hier jetzt einfach mal so etwas Ähnliches wie Starthilfe. Ich denke, mit den Systemen der Hemolele schaffen wir es, die Energiemodulation für unseren Burschen hier schön sanft zu regeln, ohne seine Systeme zu grillen. Weit laufen muss und kann er sowieso nicht, da macht das Kabel erst einmal auch keine Probleme.”

Er lächelte breit und begann, Droide und Schiff miteinander zu verbinden. “Hauptgrund unseres Bemühens hier ist ja sein Inneres und nicht seine Mobilität. Trotzdem ist es wahrscheinlich ratsam, seinen Bewegungsapparat vorerst lahm zu legen. Nicht dass er meint, das Kabel eigenmächtig zu entfernen.”

Schnell kappte er die entsprechenden Leiterbahnen und rieb sich die Hände. “Neuer Versuch, neues Glück.” Er zog sich eine mobile Arbeitskonsole heran und aktivierte sie. “Ich würde sagen, wir starten bei 20. Was denken Sie?”

“Nur immer zu”, lachte Lani, während sie die entsprechenden Tasten des Energiemodulators betätigte. Wieder einmal begannen die Augen des Droiden zu leuchte, als Kryss vorsichtig ein paar Schaltungen über die Konsole vornahm.

Beinahe konnte man die Schaltkreise des Droiden knacken hören, als er sich nun umsah. Dann sagte er etwas, mit einer krächzenden Stimme, die mit zahlreichen Zischlauten durchsetzt war.

Lani neigte sich gespannt vornüber. “Ich verstehe kein Wort. Kryss, haben Sie eine Ahnung, in welchem Idiom unser Freund hier spricht?”

Mos Eisley, Markt

Überrascht zog Roger eine Augenbraue nach oben und winkte ab. “Ich glaube einen Helden macht mehr aus, als ich zu bieten habe.”, antwortete der Sheriff freundlich lächelnd. Er versteckte seine innere Verbitterung, seine Chance auf die Teilnahme an der Rebellion ausgeschlagen zu haben, gut. Vorsichtig testete er die Belastbarkeit seines Oberschenkels, die scheinbar nicht eingeschränkt war. “Ich denke, Mos Eisley ist ohne diese Gestalten besser dran, auch wenn die Sicherheit deiner beiden Gefährtinnen weiterhin nicht gegeben ist. Am besten, ich begleite euch, während ihr eure Einkäufe erledigt.”

Während er redete, durchsuchte Roger fachmännisch die drei leblosen Körper und nahm ihnen ihre Creditsticks und Identy-Chips ab. Ein Lächeln trat auf sein Gesicht, als er die Namen mit der aktuellen Liste der Kopfgeldjägergilde abglich, nachdem er die Chips nacheinander in sein Lesegerät gesteckt hatte. “Die haben nicht gelogen, sie werden tatsächlich gesucht und es gibt Leute, die für Ihre Köpfe gut bezahlen.”, murmelte er vor sich hin, als er von weitem die örtlichen Sicherheitskräfte ankommen sah. Zuverlässig wie immer. Es war ja schließlich alles vorbei. Leise seufzend stand er wieder auf und klopfte den Sand aus seinem Hut, bevor er ihn wieder aufsetzte.

“Warte einen Augenblick, Kandor, ich erledige kurz die Formalitäten.”, sprach er seinem neuen Kollegen kurz zu und drehte sich erwartend um.

Der Angesprochene nickte erleichtert und blickte anschließend zu den beiden Zwillingen. “Na gut, bei was seid ihr beiden denn stehen geblieben? Wie weit ist unser Einkauf denn fortgeschritten? Ich rieche feine Kräuter und Gewürze hier an dem Stand”, sprach er zu den beiden und sog etwas übertrieben laut die Luft ein.

Die beiden Frauen lachten und mit einem “Du bist einfach unmöglich” wandten sie sich gemeinsam zu dem Stand um und inspizierten die Kräuter und Gewürze. Gleichzeitig erklärten sie ihm, was noch alles zu besorgen sei und welche Bestellungen, die zur Hemolele geliefert werden sollten, sie schon aufgegeben hatten. Recht schnell hatte der Koch, sich auf sein Bauchgefühl verlassend, die guten Kräuter und Gewürze von denen der schlechteren Qualität des Marktstandes getrennt. In seiner Küche verwertete er, wenn möglich, nur frische und ausgesuchte Ware. Das erschwerte manchmal den Einkauf, aber es zahlte sich stets aus. Die weiteren Formalitäten überließ er den Zwillingen, die bald ins Feilschen vertieft waren.

Unterdessen diskutierte Roger hinter ihnen mit den Sicherheitskräften. Kandor, froh darüber, dass die beiden Frauen ihm das lästige Feilschen abnahmen, drehte sich wieder zu Roger um und beobachtete aufmerksam wie dieser sich mit den Sicherheitskräften auseinandersetzte. Es gab immer noch viele Dinge, die er beim Umgang der intelligenten Spezies miteinander nicht verstand. Er hatte zwar viel von den beiden Togrutas gelernt, aber es war immer noch seltsam für ihn das alles anzuwenden.

ein paar Minuten später

“Das hätten wir geschafft.”, vermeldete Roger frohgemut, als im Hintergrund die drei Leichen abtransportiert wurden und die Sicherheitskräfte mit diesen verschwanden. “Das Schöne an Mos Eisley, oder eigentlich am ganzen Outer Rim, ist, dass die Kopfgeldjägergilde mit den örtlichen Sicherheitskräften kooperiert.”, er hielt Kandor einen Creditstick hin, “Da ich eine Lizenz habe konnte ich das Kopfgeld einfordern. Zusammen mit dem was ich auf den Creditsticks gefunden habe, haben wir beide jeweils 2.400 Credits verdient. Damit kannst du dir einige Plasma-Pfeile leisten…”

Kandor schien ein wenig überrascht, so dass Roger ihm den Stick einfach in die Hand drückte. “Auf Rücksicht auf Deine Begleiterinnen sage ich lieber nicht, was die Kerle noch so ausgefressen hatten.” Mit Schwung schulterte der Sheriff wieder seinen Seesack. “Nun … wo gehen wir nun hin?”

Kandor starrte den Stick in seiner Hand an. Es war mehr als deutlich, dass er damit nicht so wirklich viel anfangen konnte.

“Das ist mehr als nur großzügig”, stellte er fassungslos fest. “Vor allem, wenn man bedenkt, dass Du zwei von den Burschen erledigt hast und auch noch bei der ganzen Aktion verletzt worden bist. Du scheinst von der Art her einem alten Freund von mir zu ähneln. Von welchem Planeten stammst Du?”, fragte er ihn neugierig.

Rogers Augen nahmen bei dieser Frage unwillkürlich einen traurigen Ausdruck an. “Alderaan…”, sagte er für seine Verhältnisse recht leise und es wurde deutlich, dass er ungerne über dieses Thema sprach. Wie so viele Alderaaner hatte er ein Gefühl der Schuld aufgrund der Tatsache, dass er noch lebte, wo doch eigentlich alle, mit denen er aufgewachsen war, umgekommen waren. “Naja…”, räusperte der Sheriff sich und flüchtete sich in eine Mischung aus Sarkasmus und Gleichgültigkeit, “Man merkt schon, dass ich ein wenig aus der Art meiner pazifistischen Heimatwelt geschlagen bin. Mein Zuhause ist aber schon seit fast zwei Jahrzehnten das Outer Rim. Was die Belohnung angeht: Alleine hätte ich diesen Abschaum bestimmt nicht geschafft, geschweige das ich ohne dich nicht über sie gestolpert wäre. Daher ist die Aufteilung nur fair.”

Roger rückte ein wenig den Seesack auf seiner Schulter zurecht. “Ich meine auch mal auf Vertreter deiner Art getroffen zu sein, auch wenn ich zugeben muss, dass ich schon die ganze Zeit grüble, wo das war. Daher würde ich deine Frage gerne zurückgeben und noch anschließen wie du zu der Gesellschaft der beiden unbenannten Togruta Damen gekommen bist.”, schloss er wieder mit seinem üblichen freundlichen Lächeln.

“Alderaan…”, wiederholte Kandor tonlos. Er schauderte als ihn die Erinnerung überkam. Es war damals wie ein Stich ins Herz. Das Universum schrie so laut auf, dass sich kein sensitives Wesen dem entziehen konnte. An diesem Tag konnte er sich noch nicht einmal ansatzweise vorstellen, was das Universum so verletzten konnte. Inzwischen wusste er es besser. Doch es änderte nichts daran, dass ihn die bloße Erinnerung erzittern und schwitzen lässt. Er schwankte leicht.

Eine der beiden Zwillinge hatte sich zu den beiden Männern umgedreht, während die andere das Geschäft abschloss. Sie registrierte das Zittern von Kandor, kam auf ihn zu und nahm wie selbstverständlich seine linke Hand in ihre Rechte um ihn zu beruhigen. Besorgt blickte sie zu ihm, ihr Blick hellte sich aber sogleich auf, als sie fühlte, dass sich der Koch schon wieder fing.

“Also weißt Du, wir haben Dir doch bessere Manieren beigebracht”, tadelte sie ihn etwas freundlich vorwurfsvoll. “Aber ich will mal nicht so sein”, fuhr sie generös fort, bevor Kandor darauf etwas sagen konnte. “Ich bin Mara-Ta und das ist Mira-Ti”, ergänzte sie weiter und deutete auf ihre Schwester, die sich zu ihnen umwandte.

“Geht’s Dir gut, Kandor?”, fragte Mira-Ti besorgt nach.

Kandor nickte, atmete tief durch und antwortete: “Entschuldigt, aber der Kampf scheint mich etwas mehr mitgenommen zu haben als ich dachte. Es ist schon wieder in Ordnung”, log er und ließ die Hand von Mara-Ta los. Er schob seine rechte Hand mit dem Arm gebeugt vor seine Brust, die Arme seine linke Schulter berührend, verbeugte er sich leicht nach vorne in Richtung der beiden Damen und Roger entschuldigend.

“Die beiden haben Recht, Roger. Ich entschuldige mich in aller Form und hole die Vorstellung sofort nach. Schande über mich, denn ich trete ihre Lehren mit Füßen. Mögen meine beiden Lehrmeisterinnen mir bitte verzeihen”, fuhr er übertrieben ernst fort.

“Darf ich euch beiden unseren Lebensretter vorstellen?”, fragte er die Zwillinge. “Das ist Sheriff Roger. Er ist hier das Gesetz, wie wir gerade gesehen haben und außerdem …”, und machte eine theatralische Pause “… ist er unser Gast auf der Hemolele. Der Captain hat ihn auf das Schiff eingeladen und er wird uns mindestens bis zu unserem nächsten Hafen begleiten”, erklärte er weiter.

Die beiden Frauen lächelten Roger herzlich an und sagten unisono: “Das freut uns sehr.”

Zu Roger gewandt sprach Kandor: “Und darf ich Dir meine beiden Kolleginnen und Lehrmeisterinnen die beiden TiTa-Zwillinge vorstellen: Mara-Ta und Mira-Ti. Wir sind zusammen für die Kombüse zuständig und sorgen für das leibliche Wohl der Gäste und der Mannschaft der Hemolele. Ach und gib Dir keine Mühe sie auseinanderzuhalten. Sie sind eineiige Zwillinge. Sie sehen beide nicht nur phantastisch gleich aus, sondern sie kleiden, bewegen und sprechen gleich. Nenn sie wie alle anderen auf dem Schiff TiTa”, empfahl der Koch Roger. Nun hatte er sich endgültig wieder im Griff.

Roger lächelte die beiden schönen Frauen und zog seinen Hut vom Kopf vor die Brust und deutete eine leichte Verbeugung an.“Es freut mich sehr, eure Bekanntschaft zu machen, Mara-Ta und Mira-Ti. Ich bin schon öfters Togrutas begegnet, aber keiner dieser Personen stand so sinnbildlich für die Eleganz und Anmut eurer Spezies, wie ihr es tut.”, der Alderaaner war wirklich angetan von den beiden Frauen. Er hatte viele Geschichten über die Lebensweise der Togruta gehört. An und für sich war jeder raumreisende Togruta eine Besonderheit für sich, ihre sozialen Bande war sehr ausgeprägt, sodass es schon eines großen Ansporns oder großer Neugierde bedurfte, diese hinter sich zu lassen. Aber Roger war auch schon zu lange im All unterwegs, als dass es ihn verwunderte, dass die beiden Togruta mit Kandor scheinbar ihr eigenes Kollektiv gebildet hatten.

Zumindest hoffte Roger dies. Polygamie war gerade im Outer Rim nicht gerade eine Seltenheit, aber der Captain der Hemolele wirkte nicht auf ihn, als ob dieser dies in seiner Kombüse auf Dauer dulden würde. “Wenn Eure Speisen nur halb so gut schmecken, wie Ihr ausschaut, werde ich mit wohl bald einen neuen Mantel holen müssen.”, mit einer ausholenden Geste setzte er seinen Hut wieder auf. Zu Kandor gewandt sprach er ernster weiter.

“Ich weiß dein Mitgefühl für Alderaan zu schätzen.”, die Reaktion des Kochs war ihm nicht entgangen, doch bevor dieser darauf antworten konnte, wechselte Roger wieder frohgemut das Thema, “Aber ich denke, an so einem Tag wie heute sollten wir uns schöneren Dingen hinwenden. Zudem bist du mir noch eine Antwort schuldig, denn ich komme wirklich nicht mehr darauf woher ich deine Spezies kenne oder wie dein Heimatplanet heißt.”

“Charmant …”, antwortete Mara-Ta. “Ein Juwel”, bestätigte Mira-Ti und sie lächelten Roger warmherzig an. Zu Kandor gewandt ergänzten sie: “Pass gut auf …”, " … von seinen Manieren kannst Du noch lernen", beendete Mara-Ta den Satz.

Kandor runzelte die Stirn, als ob er nicht ganz verstanden hätte, was Roger wegen Alderaan gemeint hatte. Dann lachte er die beiden Damen zustimmend an. “Aye, meine Damen, ich werde mir Mühe geben. Ich habe es euch versprochen”, antwortete er ihnen ehrlich und nickte.

Zu Roger gewandt meinte er: “Meine Heimatwelt … das ist nicht ganz so einfach erklärt. Geboren wurde ich, soweit ich mich erinnern kann, auf Coruscant. Ich gehe aber davon aus, dass Du wohl mein zabrakisches Erbe im Sinn hattest. Auch wenn es inzwischen etwas verwässert ist. Meine Mutter stammte zumindest von Dathomir. Doch meine Heimat ist inzwischen bei den beiden liebreizenden Damen hier auf der Hemolele.” Wobei das liebreizend eher der durchsichtige Versuch war, den Zwillingen zu schmeicheln.

Doch gerade dafür bekam er von ihnen ein wunderschönes Lächeln geschenkt. “Siehst Du …”, stellte Mira-Ti beginnend fest. “…Du kannst es doch!”, fuhr Mara-Ta erfreut fort.

Kandors Gesicht lief vor Verlegenheit unter der Kapuze deutlich rot an. Er seufzte und warf theatralisch die Hände in die Luft: “Diese Art der Kommunikation werde ich wohl nie lernen.”

Dann deutete er auf einen Stand weiter hinten. “Ich glaube, ich habe da hinten etwas gesehen, was wir noch benötigen”, versuchte er, von sich abzulenken. Zu Roger gewandt, fragte er neugierig, als er sich in diese Richtung in Bewegung setzte: “Du kennst Dich scheinbar sehr gut mit den unterschiedlichen Spezies und deren Sprachen aus. Wie kommt das?”

Chronik 3: Von Mäusen und Märkten

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Amaro

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